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Häufige Irrtümer zum Thema Milchverzehr

1. Irrtum: Erwachsene vertragen keine Milch.

Das Kalb besitzt ein Verdauungsenzym, das sogenannte Labenzym, das speziell auf den Abbau von Milch ausgerichtet ist. Beim menschlichen Säugling gibt es ein ähnliches Enzym, das Gastricin. Die Aktivität dieses Enzyms nimmt im ersten Lebensjahr stark ab und fehlt beim Kind und Erwachsenen ganz. Deswegen, so wird gelegentlich angeführt, sei Milch für erwachsene Menschen nicht geeignet und könne nicht verdaut werden. Unverdaute Bestandteile der Milch verkleben angeblich den Organismus und erschweren dadurch die Nährstoffaufnahme. Tatsächlich ist es allerdings so, dass dem Erwachsenen anders als dem Säugling eine Vielzahl von Enzymen zur Eiweißverdauung zur Verfügung stehen.

Zudem hat ihr Magen ein stärker saures Milieu als der eines Säuglings. Beim Erwachsenen bewirkt daher bereits die Magensäure ein Gerinnen der Milcheiweiße. Die weitere Verdauung erfolgt durch die eiweißspaltenden Enzyme aus Magen, Bauchspeicheldrüse und Darmschleimhaut. Durch das Zusammenspiel der verschiedenen Enzyme wird Milcheiweiß effzient abgebaut und fast vollständig vom Körper aufgenommen. Es zählt damit zu den Eiweißen mit der höchsten Verdaulichkeit.

Ein weiteres Argument ist, dass den  meisten erwachsenen Menschen  Laktase, das Enzym zur Spaltung des Milchzuckers, fehlt. Weltweit betrachtet haben tatsächlich 90 Prozent der Be- völkerung eine verringerte Laktaseaktivität. Hauptsächlich bei Afrikanern und Asiaten, die Milch traditionell nicht als Lebensmittel nutzen, hat sich die Aktivität dieses Enzyms zurückgebildet. Die Mehrzahl der Europäer kann hingegen Milchzucker verdauen. ln Schweden  beispielsweise haben nur etwa drei Prozent der Bevölkerung eine Laktoseintoleranz, in Deutschland sind es zirka 15 Prozent.

2. Irrtum: Milch verursacht Blähungen.

Blähungen werden von den Betroffenen oft als sehr unangenehm empfunden. Für ihr Auftreten gibt es viele verschiedene Ursachenunter anderem können auch bestimmte Nahrungsmittel Blähungen hervorrufen. Der Verzehr von Milch führt beim Gesunden allerdings nicht zu Blähungen. Treten sie wiederholt nach dem Verzehr von Milchprodukten auf, sollte dies zum Anlass genommen werden, der Ursache auf den Grund zu gehen.

Grund dafür kann der Milchzucker sein. Laktose wird vom Körper mit Hilfe eines körpereigenen Enzyms, der Laktase, abgebaut. Dieses Enzym spaltet Milchzucker (Laktose), der in der Milch und in Milchprodukten enthalten ist. Fehlt das Enzym beziehungsweise besteht eine geringe Enzymaktivität, so gelangt der Milchzucker unverdaut oder nur teilweise verdaut in den Dickdarm. Dort wird er von Bakterien zu gasförmigen Spaltprodukten abgebaut, die zu Blähungen führen. Diese Milchzuckerunverträglichkeit (Laktoseintoleranz) kann angeboren sein und führt bei Säuglingen zu Problemen, wenn sie mit Milch ernährt werden. Erwachsene können eine Laktoseintoleranz auch im Laufe ihres Lebens entwickeln. Bei entzündlichen Darmerkrankungen, wie Morbus Crohn, kann der Abbau des Milchzuckers ebenfalls Probleme bereiten. Das zum Aufspalten notwendige Enzym wird in der Schleimhaut des Dünndarms gebildet. Liegt eine Entzündung der Darmschleimhaut vor, dann ist eine zu geringe Menge des Enzyms vorhanden. Ob ein Laktasemangel vorliegt, kann der Arzt mit Hilfe eines speziellen Atemtests oder mit Hilfe des Laktosetoleranztestes feststellen.

Die Milchzuckerunverträglichkeit oder Laktoseintoleranz beruht auf einer verringerten oder fehlenden Aktivität des Enzyms Laktase, das bei der Verdauung im Dünndarm den Milchzucker (Laktose) in seine Einzelbestandteile aufspaltet. Reicht die Laktaseproduktion nicht aus, gelangt unverdauter Milchzucker in den Dickdarm. Dort wird er von den Darmbakterien als Nährstoff verarbeitet. Dabei entstehen Gärungsprodukte wie Kohlendioxid, Wasserstoff und kurzkettige Fettsäuren, die zu Symptomen wie Durchfall, Blähungen, kollikartigen Bauchschmerzen bis hin zu Erbrechen führen können. Ein völliges Fehlen des Enzyms ist sehr selten. Bei den meisten Menschen ist eine Restaktivität vorhanden, sodass die Betroffenen je nach Schweregrad der Erkrankung bestimmte Mengen an Laktose vertragen.

Grundsätzlich gilt:

  • Hat der Arzt eine Laktoseintoleranz diagnostiziert, muss die Ernährung an die individuelle Laktoseverträglichkeit angepasst werden. Ein totaler Verzicht auf Milchprodukte ist in den meisten Fällen nicht nötig.
  • Gesäuerte und fermentierte Milchprodukte (Joghurt, reifer Käse, Quark, Buttermilch) werden meist besser vertragen, da die Laktose teilweise bereits abgebaut wurde .
  • Viele Patienten mit Laktoseintoleranz können die Verträglichkeit von Laktose langsam steigern. Durch regelmäßigen, wenn auch geringen Verzehr von laktosehaltigen Nahrungsmitteln, entwickeln sich mehr Darmbakterien, die mit ihrer bakteriellen Laktase die Verträglichkeit von Laktose beim Menschen erhöhen.
  • Um Defzite in der Nährstoffversorgung (v.a. Kalzium), aber auch eine zu starke Einschränkung zu vermei den, sollte professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden.
  • Laktosehaltige Lebensmittel werden meist besser vertragen, wenn sie gemeinsam mit anderen Speisen im Rahmen einer Mahlzeit eingenommen werden.
  • Fette und sehr kalte Mahlzeiten führen zu einem längeren Aufenthalt des Speisebreis in Magen und Dünndarm.So hat die verfügbare Restlaktase etwas mehr Zeit, den Milchzucker abzubauen. Folglich gelangt weniger unver daute Laktose in den Dickdarm. Daher werden manchmal kalte und fettreiche Speisen bei einer Laktoseunverträglichkeit besser vertragen.
  • Eine gute Alternative bietet auch die mittlerweile große Auswahl an laktosefreier Milch und daraus hergestellten Milchprodukten, die im Handel erhält lich sind und die genauso viele wertvolle lnhalts stoffe enthalten wie herkömmliche Produkte. ln diesen Produkten ist die Laktose bereits technologisch in ihre Einzelzucker gespalten worden, wodurch diese Produkte in der Regel etwas süßer schmecken.
  • Auch die Einnahme von Laktase in Form von Tabletten oder Pulver kann einen beschwerdefreien Genuss von Milch und Milchprodukten möglich machen, da das zugeführte Enzym die Funktion des nicht mehr vorhandenen körpereigenen Enzyms übernimmt.

5. Irrtum: Milch führt zur Verkalkung der Gefäße.

Mit Arterien-"Verkalkung" hat Kalzium höchstens den Namen Kalk gemeinsam. Tatsächlich handelt es sich bei der Arterien-"Verkalkung" - wissenschaftlich korrekt ist die Bezeichnung Arteriosklerose - um ein vielschichtiges Krankheitsgeschehen, bei dem es zu Schädigungen der Blutgefäße kommt. ln diesem Fall können verschiedene Substanzen aus dem Blut Entzündungsprozesse, Verhärtungen und Verdickungen der inneren Arterienwand und dadurch einen Verschluss der Blutgefäße begünstigen. Je nach betroffenem Blutgefäß sind Herzinfarkt oder Schlaganfall die Folge. Auch für die Behauptung, dass durch das Homogenisieren die Fettpartikel der Milch so zerkleinert würden, dass sie direkt in den Körper aufgenommen werden und dort zum Entstehen von Arteriosklerose beitragen, gibt es keinerlei wissenschaftliche Belege. Die Fetttröpfchen sind auch nach dem Homogenisieren weit größer als die Partikel, die aus dem Darm ins Körperinnere aufgenommen werden.

 

6. Irrtum: Milch und Milchmischgetränke verursachen Karies.

Milch enthält natürlichen Milchzucker.

lm Vergleich mit anderen Kohlenhydraten hat Laktose jedoch nur eine niedrige Kariogenität, da die Plaque-Bakterien den Milchzucker nur in geringerem Umfang als Energiequelle nutzen können. Der zugesetzte Zucker in Milchmischgetränken (meist zwischen drei und sieben Prozent) haftet durch die Konsistenz der Produkte nicht lange an den Zähnen und wirkt so kaum kariogen. Zudem schützen Milch und Milchprodukte die Zähne mehrfach: Durch ihren Kalziumgehalt festigen sie den Zahnschmelz von innen. ln der Mundhöhle können sie außerdem die Anhaftung von Bakterien am Zahn mindern und den Zahnschmelz mineralisieren. Außerdem reduzieren sie die Aktivität der von Plaque-Bakterien gebildeten Säuren.

Nicht zuletzt regen sie den Speichelfuss an und tragen so dazu bei, dass Kohlenhydrate schneller aus der Mundhöhle entfernt und die Plaque-Säuren neutralisiert werden.

 

7. Irrtum: Zwischen Milchaufnahme und Osteoporose gibt es keinen Zusammenhang.

Da Milch und Milchprodukte den wichtigen Mineralstoff Kalzium enthalten, spielen sie bei Erwachsenen eine wichtige Rolle für die Knochengesundheit. Osteoporose wird jedoch nicht nur durch Kalziummangel hervorgerufen. Für die Entstehung dieser Krankheit sind viele Faktoren mitbestimmend. Erbliche und hormonelle Einfüsse, die Aufnahme beziehungsweise Bildung von Vitamin D, körperliche Belastung und Lebensalter spielen neben der Kalziumaufnahme eine wichtige Rolle. ln vielen dieser Punkte unterscheiden sich Europäer und Nordamerikaner von den Bewohnern Asiens und Afrikas. Deshalb tritt dort selbst bei geringem Milchkonsum Osteoporose seltener auf als in Europa und Nordamerika. Beispielsweise ist in vielen Teilen Afrikas und auch Asiens die körperliche Aktivität auch bei älteren Menschen höher. Hinzu kommt, dass diese meist im Freien, also in der Sonne, erfolgt. Sonnenlicht wirkt sich positiv auf die Vitamin-D-Bildung in der Haut und die Kalziumausnutzung aus. ln Japan oder Hongkong steigen die Osteoporoseerkrankungen in den letzten Jahren stark an, was unter anderem auf die fortschreitende Automatisierung und die damit verbundene geringere körperliche Belastung bei Sonneneinstrahlung zurückzuführen ist.

 

8. Irrtum: Milch verschleimt den Körper und die Atemwege.

Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass weder bei Gesundheit noch bei mit Schnupfenviren infizierten Personen zu einer erhöhten Schleimbildung nach Milchgenuss kommt.

Die Vorstellung, dass Milchverzehr zu einer starken Schleimbildung im Körper führt und deshalb bei Atemweginfektionen keine Milch getrunken werden sollte, ist weit verbreitet.

Das Kohlenhydrat der Milch ist der Milchzucker (Laktose), der aus einem Teil Traubenzucker (Glucose) und einem Teil Schleimzucker (Galaktose) zusammengesetzt ist. Der Name Schleimzucker weist darauf hin, dass dieser in Form der Galakturonsäuren im Nasen- und Rachenschleim enthalten ist. Vielleicht rührt daher die Vorstellung, dass Milch verschleimt. In der Regel ist Schleimbildung jedoch eine Reaktion auf vorhandene entzündliche Prozesse, die besonders im Kindesalter häufig vorkommen.

 

9. Irrtum: Milchverzehr fördert die Entstehung von Nierensteinen.

Nierensteine bestehen zumeist aus verschiedenen Kalziumverbindungen. Daraus wurde häufig der Schluss gezogen, eine vermehrte Kalziumzufuhr, zum Beispiel durch Milch und Milchprodukte, begünstige die Entstehung von Nierensteinen. Studien konnten diese Annahme bisher nicht bestätigen. Entscheidend ist, dass die insgesamt aufgenommene Flüssigkeitsmenge ausreichend ist. Darüber hinaus kann Kalzium in der Nahrung eine Aufnahme von Oxalsäure verhindern, indem es mit der Oxalsäure einen unlöslichen Komplex, das Kalziumoxalat, bildet. Dieser Komplex wird nicht in den Körper aufgenommen, wo er zu einer Nierensteinbildung führen könnte, sondern direkt wieder über den Darm ausgeschieden. Nierensteinpatienten sollten daher wie Gesunde täglich 1.000 mg Kalzium aufnehmen. Allerdings ist eine Absprache mit dem behandelnden Arzt immer sinnvoll, da es unterschiedliche Steinarten gibt und somit keine allgemeingültige Empfehlung existiert.

 

10. Irrtum: Milch macht dick.

Auch diesem Vorurteil stehen zahlreiche Studien entgegen. Verschiedene Studien belegen, dass ein höherer Verzehr von Milch und Milchprodukten mit einem niedrigerem Körpergewicht, Körperfettanteil und geringerer Gewichtszunahme einhergeht. Dabei steht in der Diskussion, dass das Kalzium u.a. die Fetteinlagerung zum Teil reduziert und das Nahrungsfett teilweise zu Kalziumseifen bindet und diese ausgeschieden werden. Milch und Milchprodukte tragen durchschnittlich mit 16 Prozent zur täglichen Fettaufnahme bei. Dabei verfügen sie über eine hohe Nährstoffdichte. Das bedeutet: Sie liefern wichtige Vitamine und Mineralstoffe. Milch und Milchprodukte sollten aufgrund der hohen Nährstoffdichte auch bei Gewichtsproblemen nicht auf dem Speiseplan fehlen. Als Nährstoffdichte wird das Verhältnis von Energie und dem Nährstoffgehalt eines Lebensmittels bezeichnet. Je höher die Nährstoffdichte, desto günstiger das Verhältnis und größer der gesundheitliche Wert eines Produkts.

Wenn auf den Fettgehalt der Nahrung geachtet werden muss, stellen fettarme Produkte eine gute Alternative dar. Creme fraiche zum Beispiel kann durch Joghurt und Sahne durch Milch ersetzt werden.

 

11. Irrtum: H-Milch enthält keine Nährstoffe mehr.

Der Nährstoffgehalt der Milch verändert sich durch die verschiedenen Erhitzungsverfahren kaum. So bleibt die Konzentration der Hauptnährstoffe Eiweiß und Fett sowie der Mineralstoffe wie Kalzium nahezu gleich.