Presse

Pressemitteilung

Mitgliederversammlung 2018 der LVN

1. November 2018

„Milchwirtschaft im Spannungsfeld zwischen Marktrisiken, steigenden Anforderungen und extremen Wetterkapriolen"
LVN-Vorstand Jan Heusmann blickt auf „herausforderndes" und „spannendes" Jahr zurück

Die Herausforderungen für die Milchwirtschaft werden zunehmend komplexer. Strategien und Konzepte müssen mittlerweile fachübergreifend entwickelt werden. Hierbei ist darauf zu achten, dass die Branche die Akzeptanz und die Wettbewerbsfähigkeit erhält, indem sie sich aktiv in die Diskussion einbringt. Ziel der Branche muss es weiter sein, Entwicklungen und Prozesse aktiv mitzugestalten. Auf der Mitgliederversammlung der Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen e.V. (LVN) berichteten der Vorstand und die Geschäftsführung über Maßnahmen, Initiativen und Aktionen mit denen sie dieses Ziel erreichen wollen. Dazu kamen rund 110 Gäste aus Politik und Wirtschaft, darunter zahlreiche Vertreter der 19 LVN-Mitgliedsorganisationen, zu denen Bauern-, Molkerei- und Gewerkschafts- sowie Verbraucherverbände gehören. Die Versammlung fand am Donnerstag, 1. November, in Isernhagen im Hotel Hennies statt.

„Wir sind fast am Ende eines spannenden und herausfordernden Jahres 2018. Spannend, aber eher im Sinne von nervenaufreibend machten das Jahr die Wetterkapriolen, die uns von einem Extrem ins Nächste jagten", beginnt der Vorstandsvorsitzende, Jan Heusmann, seine Rede. Die Milchwirtschaft und die gesamte Landwirtschaft müssen sich einerseits Marktrisiken und andererseits steigenden Anforderungen an eine nachhaltige Prozessqualität stellen, betonte Heusmann daraufhin. Die extremen Witterungen, die aus seiner Sicht längst keinen regionalen Ursprung mehr haben, stellt er in den Vordergrund: „Klimaveränderungen sind ein Ergebnis globaler Entwicklungen. Die Probleme liegen heute vielschichtiger und können nur gelöst werden, wenn die Bereitschaft da ist, sektor- und fachübergreifend konstruktiv zusammen zu arbeiten. Eine der größten Herausforderungen der Zukunft wird es sein, dass eine Strategie entwickelt wird, Zielkonflikte zu überwinden. Dies kann nur erreicht werden, wenn Bereitschaft vorhanden ist, kurzfristige eigene Interessen zurückzustellen, um langfristige gemeinsame Ziele erreichen zu wollen."
Im Bereich Öffentlichkeitsarbeit schätzt der stellvertretende Vorsitzende, Herbert Heyen, die „praxisnah" entwickelten Kommunikations- und Öffentlichkeitskonzepte der LVN: „Mit zahlreichen Materialien für Hofbesuche von z.B. Schulklassen, aber auch mit Maßnahmen wie ‚Ich bin Milchbauer. ... frag mich doch!', dem Milchlandpreis mit der Goldenen Olga oder dem Videoportal My KuhTube erhalten wir vielfältige Unterstützung. Sowohl on- und offline erzielt die Landesvereinigung damit eine Vielzahl an positiven Begegnungen und Berichten."
„Wieder einmal wird die LVN den Mitgliedern und Gästen der Mitgliederversammlung ein ganzes Bündel an Maßnahmen, die umgesetzt werden sollen, vorstellen. Gerade im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit erlangten diese Maßnahmen unter Nutzung der neuen Medien in der jüngeren Vergangenheit einen hohen Bekanntheitsgrad – weit über die Grenzen Niedersachsens hinaus", sagt Heinrich Daseking, der zuständige Referatsleiter aus dem Landwirtschaftsministerium, mit optimistischem Blick auf die kommenden Maßnahmen.
Vizepräsident des Landvolk Niedersachsensens – Landesbauernverband e.V., Ulrich Löhr, sagte über die niedersächsische Milchwirtschaft: „Sie hat sich in jüngster Vergangenheit gesellschaftlichen Herausforderungen immer wieder gestellt und selbst Antworten präsentiert. Dafür steht beispielsweise das Qualitätsmanagement Milch mit ihren Nachhaltigkeitskriterien, die hier erstmals einbezogen wurden. Unsere Milchviehhalter wünschen sich wie andere Landwirte auch eine steuerliche Möglichkeit der Risikovorsorge. Sie könnte uns in Marktkrisen ebenso helfen wie bei Witterungseinflüssen, sei es nun Nässe oder Dürre. Hier müssen die Politiker endlich die lang diskutierten Vorschläge auf den Weg bringen."
Faktencheck und die Analyse von Argumenten sind ihre Profession: Die Gastreferentin Johanna Bayer ist Wissenschaftsjournalistin, Foodbloggerin und hat viele Jahre Fernsehen für WDR und ARD gemacht – Spezialgebiet Ernährung. Ende 2014 startete sie ihren Blog „www.quarkundso.de", auf dem sie den Umgang der Medien mit Ernährungsthemen kommentiert. Auf der LVN-Mitgliederversammlung referiert sie unter dem Titel „Die Feinde der Milch: Argumente und Strategien". „Milchkritiker rollen Fragen auf, die wissenschaftlich längst entschieden sind: Beispielsweise ‚Ist es natürlich, Milch zu trinken?' oder ‚Ist es normal, als Erwachsener Milch verdauen zu können?'", sagt Bayer und sieht besonders Veganer in diesen Debatten gut organisiert und professionell: „Sie bieten Informationen, Diskussionsleitfäden oder Material für Schüler-Referate an. Dabei dienen ihnen Gesundheitsargumente aber eher als Vehikel für ihre eigentlichen Botschaften: Konsumkritik und Tierschutz." Auch das eigene Metier ist dabei in der Verantwortung, so die Journalistin: „Viele Redaktionen nehmen von Verbänden, NGOs oder Aktivisten geliefertes Material unkritisch an – dass es sich dabei nicht um unabhängige Informationen handelt, geht im Alltagsbetrieb oft unter."
Sorge bereitete den Milchbauern zuletzt weniger die Berichterstattung, sondern die lang anhaltende Dürre. „Da wegen der Trockenheit auf vielen Höfen Futter fehlt, könnte sich bei spät einsetzender Vegetation im kommenden Frühjahr die Situation für viele Futterbaubetriebe äußerst prekär darstellen", sagt LVN-Geschäftsführer Frank Feuerriegel. „Aktuell sind die Folgen der lang anhaltenden Dürre im Hinblick auf die Milchmenge noch nicht sichtbar. Aber die Inhaltsstoffe Fett und Eiweiß waren insbesondere im 2. und 3. Quartal 2018 unterdurchschnittlich." Zurzeit liegt der durchschnittliche Auszahlungspreis bei rund 35 Cent/kg, nachdem der Auszahlungspreis Anfang 2018 auf knapp 32 Cent/kg abgesunken war. „Insgesamt wird das Jahr 2018 im Durchschnitt aber deutlich unter 2017 abschließen. Während 2017 noch 36,00 Cent/kg im Durchschnitt ausgezahlt werden konnte, wird das Auszahlungsniveau im Jahresmittel 2018 bei 33,80 – 33,90 Cent/kg liegen", so Feuerriegel.
Nicht prekär sondern populär steht das Projekt „My KuhTube" in seinem fünften Jahr da. Diese Zahlen belegen das: Insgesamt über 2.000.000 Zugriffe auf die Videos des Kanals bei „YouTube". Bei „Facebook" besitzt die gleichnamige Seite aktuell über 9.000 Fans und erzielt wöchentliche Reichweiten im hohen fünfstelligen Bereich. Die LVN-Geschäftsführerin, Kristine Kindler, ist stolz auf das Projekt und seine erfolgreiche Laufbahn: „Dass wir Landwirte haben, die uns hierbei mit so viel Ehrgeiz, Spaß und hochwertigem Videomaterial unterstützen, ist der Grundstein dieses Erfolges. Ihr stetiger Einsatz unterstützt uns, zu mehr Transparenz in der Milchwirtschaft beizutragen."
Die LVN-Geschäftsführerin ging in ihrem Bericht besonders auf die öffentlich wirksamen Aktionen ein: Hier entwickelte sich die Initiative DIALOG MILCH zu einem wichtigen Standbein. Unter diesem Titel gab es ebenfalls zahlreiche Einsätze der „Bauern als Botschafter" in elf verschiedenen niedersächsischen Innenstädten. Die Botschafter berichteten über interessante und wertvolle Begegnungen mit Mitbürgern unterschiedlichster Berufsgruppen.
„Insgesamt stehen in der Kommunikation der LVN drei Dimensionen ganz weit vorn: Beziehungen, Glaubwürdigkeit und Erlebnisse", resümiert Kristine Kindler.

Das Milchland Niedersachsen
In Niedersachsen gibt es fast 8.500 Milchviehbetriebe mit über 810.000 Kühen. Die allermeisten Höfe führen Familien. Mehr als drei Viertel der Betriebe halten weniger als 100 Milchkühe. Die durchschnittliche Anzahl pro Betrieb beträgt 95,5 Milchkühe. Zusammen werden rund 6,37 Mio. Tonnen Milch an 24 niedersächsische Molkereien geliefert. Damit wird in Niedersachsen 20,4 Prozent der insgesamt in Deutschland angelieferten Milchmenge verarbeitet. Die Milchproduktion trägt innerhalb der niedersächsischen Agrarbranche in besonderem Maße zur volkswirtschaftlichen Wertschöpfung bei.

LVN – alles zur Milchwirtschaft aus einer Hand
In Niedersachsen sind vom Erzeuger über die Molkereien bis zur Verbraucherzentrale alle Verbände und Organisationen unter dem Dach der LVN zusammengeschlossen, die durch Erzeugung, Verarbeitung, Handel und Verbrauch an der niedersächsischen Milchwirtschaft beteiligt sind. Sie bietet allen an der Milcherzeugung und
-verarbeitung Beteiligten bzw. Interessierten den „Runden Tisch" für konstruktive Kommunikation und gemeinsames Handeln.
Ein realistisches Bild von Land- und Milchwirtschaft in Niedersachsen sowie den Wert von Milch und Milchprodukten in der Ernährung zu vermitteln, das ist das oberste Ziel der Öffentlichkeitsarbeit der LVN.

Fotoquelle (beide Bilder): Dorothee Feickert