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Nutztierhaltung im Spiegel der Gesellschaft

22. März 2019

Vorstellungen, wie mit Tieren umzugehen sei, und die moderne landwirtschaftliche Praxis liegen häufig weit auseinander. Doch worauf legen die Verbraucherinnen und Verbraucher besonders viel Wert, welche Erwartungen haben sie an tierhaltende Betriebe? Und welche Rolle kann der Handel als Bindeglied zwischen Stall und Teller spielen? Das Verbundprojekt SocialLab, an dem acht Forschungseinrichtungen (koordiniert vom Thünen-Institut in Braunschweig) beteiligt waren, sollte Antworten finden. Jetzt stellten die Wissenschaftler die Ergebnisse im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) vor.

In Gruppendiskussionen mit Verbrauchern stießen die SocialLab-Forscher jenseits von Pauschalbegriffen wie „Massentierhaltung" schnell auf Zielkonflikte: Konsumenten müssen sich nicht nur zwischen billigen und hochpreisigen, dafür tiergerecht produzierten Waren entscheiden. Auch zwischen Aspekten wie Tierwohl, Umweltschutz und Klimawirkungen gilt es, abzuwägen. So entspricht etwa der Freilandauslauf dem arteigenen Verhalten vieler Nutztiere, dies kann aber mit verstärkter Belastung von Böden und Grundwasser durch Exkremente einhergehen. Bei Befragungen zeigten sich oft Hilflosigkeit im Umgang mit sich widersprechenden Zielen und die Tendenz, diese Zielkonflikte zu verdrängen. Insgesamt zeigen die Ergebnisse von SocialLab: Der Wunsch nach mehr Tierwohl steht in der Bevölkerung weit oben – höher als Umweltziele, arbeitswirtschaftliche Ziele der Betriebe oder selbst Aspekte der Arbeitssicherheit. Das sind Bereiche, bei denen von der Landwirtschaft erwartet wird, innovative Lösungen zu finden.


Ministerin will Ergebnisse konkret nutzen
Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner, die die SocialLab-Veranstaltung eröffnete, betonte die Relevanz der Ergebnisse: „Verbraucher schätzen die Vielfalt an hochwertigen Lebensmitteln in Deutschland, sie wollen regionale Produktion um die Ecke. Gleichzeitig ist zu beobachten, dass die gesellschaftlichen Anforderungen an eben jene Produktion größer werden, besonders im Bereich der Tierhaltung. Diese Anforderungen würden es gerade aber den regionalen Kleinbetrieben, die im Wettbewerb stehen, schwer machen, zu überleben. Oder: Die Mehrheit ist für mehr Tierwohl, aber beim Einkauf selten bereit, mehr Geld dafür auszugeben.
Es sind diese Zielkonflikte, die das Projekt SocialLab in den Blick nimmt. Mit 2,4 Millionen Euro fördere ich dieses Forschungsvorhaben, halte es für eines der spannendsten, das wir unterstützen. Geforscht wird entlang der Frage, was wir tun können, damit die Haltung von landwirtschaftlichen Nutztieren in Deutschland eine bessere Akzeptanz findet. Denn wir entwickeln sie kontinuierlich weiter, die Verbesserung des Tierwohls und der Nachhaltigkeit spielen dabei eine große Rolle. Der Erfolg von Neuerungen wird aber nicht nur auf dem Hof entschieden, sondern auch an der Kasse im Supermarkt – die Mehrkosten kann nicht alleine der Landwirt tragen.
Deshalb ist es so wichtig, dass das SocialLab bei Verbrauchern wie Landwirten Bewusstsein schafft für die Position des jeweils anderen und wir für unsere Arbeit im Ministerium erfahren, wo die Defizite liegen beim Verstehen. Und wo Ansatzpunkte sind, um unsere Anliegen so zu vermitteln, dass sie noch besser ankommen. Die Ergebnisse werden wir ganz konkret nutzen, insbesondere für die Entwicklung der Informationskampagne zu unserem Tierwohlkennzeichen."
Weitere Infos zum Projekt gibt es auf der Seite des Thünen-Institutes.

Thünen-Institut