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Isermeyer betont auch Chancen des Klimawandels für deutsche Landwirte

22. März 2019

Der globale Klimawandel bringt für die deutschen Bauern neben Risiken auch Chancen aufgrund möglicher Ertrags- und Preissteigerungen mit sich. Wie der Präsident des Thünen-Institus (TI), Prof. Folkhard Isermeyer, heute auf einer Tagung des Kuratoriums für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft (KTBL) in Darmstadt erklärte, könnten sich die höhere CO2-Konzentration und verlängerte Vegetationsperioden positiv auf die Erträge bei manchen Kulturen auswirken. Veränderungen bei Temperaturen und Niederschlag ließen möglicherweise eine Erweiterung des Fruchtartenspektrums zu. In der Tierhaltung sei mit geringeren Heizkosten zu rechnen.

Der TI-Präsident verwies außerdem darauf, dass die stärkere Betroffenheit von Agrarsystemen in anderen Ländern zu einer Steigerung der Weltmarktpreise führen könnte. Durchweg negative Folgen ließen hingegen die Starkwetterereignisse erwarten. Risiken brächten außerdem Wassermangel und invasive Schädlinge mit sich. „Auch wenn die Chancen des Klimawandels für die Landwirtschaft in Deutschland überwögen, stünden wir dennoch in einer globalen Verantwortung und könnten uns nicht auf der geringen Betroffenheit ausruhen", mahnte Isermeyer.

Bei der erforderlichen Anpassung der Agrarsysteme sieht der Forscher ein Dilemma. Wissenschaftler präsentierten einen breiten Strauß von Anpassungsoptionen, aus denen Landwirte aber nur intuitiv einzelne Bausteine auswählen könnten. „Sie werden damit zu Mitexperimentatoren, haben aber keine Forschungsabteilung auf ihrem Hof und tragen das persönliche Risiko", so der Forscher. Die vorgenommenen Anpassungen erzielten in einem Jahr möglicherweise einen positiven Effekt, im anderen Jahr aber genau das Gegenteil. Um die dringend notwendige Erforschung neuer Systeme auf dem Einzelbetrieb zu fördern, müsse es einen finanziellen Ausgleich für dieses Risiko geben.

Was die Abfederung der rein finanziellen Einbußen aufgrund des Klimawandels angehe, berge die Einmischung des Staates das Risiko, dass sie realwirtschaftliche Anpassungsmaßnahmen für die Landwirtschaft unwirtschaftlich mache. „Würde der Staat für jeden Schaden einstehen, würden Landwirte weitermachen wie bisher", so der TI-Präsident. Allerdings könnten auch angepasste Betriebe ins Wanken geraten, wenn zwei Extremjahre wie 2018 aufeinander folgten.


AgE