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Gesammeltes zur aktuellen Zucker-Diskussion

1. März 2019

Aktuell dreht sich vieles um das Thema Zucker. So beschäftigte sich auch die diesjährige Frühjahrsfachtagung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, Sektion Niedersachsen (DGE) mit diesem Thema.
Die Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen e.V. (LVN) begleitete die Tagung mit einem Geschmackstest mit unterschiedlich gesüßten Joghurtgetränken und fing Stimmen aus der Wissenschaft ein:

Zu dem Thema Mythen und Fakten zum Thema Zucker referierte Prof. Hannelore Daniel von der Universität Weihenstephan: Ihrer Meinung nach lässt sich derzeit nicht eindeutig durch Studien belegen, inwieweit Zucker dafür verantwortlich ist, dass die Menschen immer dicker werden und immer häufiger an Diabetes mellitus Typ 2 erkranken. Eigentlich brauche es dazu Interventionsstudien, die aber sehr lang dauern und kaum durchführbar sind. Prof. Hannelore Daniel zweifelte darüber hinaus die Erkenntnisse aus Mäuse-Studien an: Die Maus sei nicht einfach ein Mensch im Kleinformat. Nach Sichtung der Literatur halte sie die gegenwärtige Zuckerhysterie jedenfalls für wissenschaftlich nicht nachvollziehbar. Das eigentliche Problem seien die Kalorien und zwar nicht nur auf der Zufuhrseite. Mindestens ebenso Schuld sei unser sinkender Energieverbrauch durch sitzenden Lebensstil.

Zur quantitativen Empfehlung zur Zuckerzufuhr in Deutschland informierte Prof Dr. Annette Buyken, von der Universität Paderborn: Daten aus Verzehrstudien zeigten, dass die Zufuhr freier Zucker in Deutschland insbesondere bei jüngeren Altersgruppen deutlich über der Empfehlung von 10 % der Gesamtenergiezufuhr liegen. Die quantitative Empfehlung der Fachgesellschaften sei nicht im Sinne einer empfohlenen Zufuhr zu verstehen, sondern als maximale Obergrenze. Bei einer Gesamtenergiezufuhr von 2000 kcal/Tag entspräche diese Empfehlung einer maximalen Zufuhr von 50 g freien Zuckern/Tag.
Ein großer Anteil der Zufuhr freier Zucker stamme in Deutschland aus Süßwaren (36 %), zuckerhaltigen Getränken wie Fruchtsäften und Nektaren (26 %), Backwaren sowie Limonaden (12 %) und Fruchtjoghurts. Insbesondere der hohe Konsum zuckerhaltiger Getränke könne zu einer positiven Energiebilanz und in der Folge erhöhtem Körpergewicht sowie gesteigerten Krankheitsrisiken führen. Da zuckergesüßte Getränke keinen Sättigungseffekt haben, führt ihr Konsum leicht zu einer insgesamt zu hohen Energiezufuhr. Das erhöhte Risiko für Diabetes mellitus Typ 2 durch den Verzehr zuckergesüßter Getränke bestehe zudem auch unabhängig vom Einfluss auf die Energiebilanz.

Zuckerhaltige Speisen aktivieren das Belohnungssystem im Gehirn, erklärte Prof. Dr. med. Johannes Hedebrand von Universität Dusiburg-Essen. Allerdings sei Zucker nicht direkt mit Drogen wie Alkohol, Nikotin oder Heroin vergleichbar. Aber ein Verhalten wie: „Ich muss jetzt unbedingt etwas Süßes essen!" könne zumindest als „suchtähnlich" bezeichnet werden. Dies insbesondere dann, wenn die Betroffenen nicht mit dem Zuckerkonsum aufhören könnten. Vor allem stark übergewichtige Personen hätten oft ein diesbezüglich gestörtes Ernährungsverhalten.

Zur „Prävention von Karies – welche Strategien sind wissenschaftlich belegt" berichtete Prof. Dr. med. dent. Christian Splieth von der Universität Greifswald: Im Prinzip könne jede Aufnahme von Nahrung und Getränken eine Gefahr für die Zähne bedeuten. Karies sei nicht nur eine Folge des Zuckerverzehrs. Je länger Nahrungsreste im Mund blieben, desto mehr Säure könnten die Bakterien produzieren. Besonders kariogen seien alle zuckerreichen und klebrigen Süßwaren. Auch z. B. das Müsli und die Banane zum Frühstück seien nicht anders als das Marmeladenbrot für die Zähne zu bewerten. Ob brauner oder weißer Zucker, ob Honig oder Ahornsirup - wichtig sei der Gehalt an vergärbaren Zuckern. Und gerade Vollkorngebäck sei oft durch seinen Gehalt an Trockenfrüchten extrem klebrig.
Die Kulturtechnik des Zähneputzens mit fluoridhaltiger Zahnpasta und die Mundhygiene bleibe jedoch trotz kompensatorischer Behandlungsmöglichkeiten unersetzlich für eine dauerhafte, gute Mundgesundheit.

Auch im Editorial der Fachzeitschrift Ernährungs-Umschau aus dem Februar befasste sich die Autorin Stella Glogowski mit „Zucker" und bezog in ihrer Betrachtung Zucker-Alternativen und ökologische Aspekte mit ein. Dort heißt es u.a.:
„Warum werden Zuckeralternativen wie Reissirup, Agavendicksaft oder Kokos(blüten)zucker von vielen als gesunde Alternativen zu Haushaltszucker wahrgenommen, vermarktet und kaum mit Zucker in Verbindung gebracht? Darauf gibt es so viele Antworten, wie es Zuckeralternativen gibt. Offensichtlich hilft einigen dieser Produkte die vermeintliche Nähe zu Superfoods (exotisch, teuer = besser). Das transportieren auch die Verpackungen und das Marketing (Kletterer, Agavenstaude, Kokosblüten...). Verbraucherinnen wird suggeriert: Du isst etwas Pflanzliches, Natürliches – und Exklusives. Nicht einfach „bösen", bleichen, nährstofffreien Industriezucker.
Was dabei leicht vergessen wird: Auch der übliche Haushaltszucker wird ursprünglich aus Pflanzen gewonnen; extrahiert aus „schnöden" Rüben oder aus Zuckerrohr. Letzteres kommt jedoch wie auch Agaven, Ahornbäume, Reis und Kokospalmen, nicht von hiesigen Feldern. Rübenzucker, Apfel- und Birnendicksaft, zum Teil auch Gerstenmalz, legen da weniger Wege zurück. Zucker oder Zucker, Same Same But Different: Alle Varianten nur in Maßen verzehren, aus gesundheitlichen Gründen sowieso – aus ökologischen Gründen (Herkunft) obendrein!"
LVN