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LVN mit Dr. Mirja Maassen im Gespräch: Relevanz vom Trinken beim Sport und die Milch

8. Februar 2019

Während des 22. Ernährungsforums der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. Sektion Niedersachsen (DGE) lernte die Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen e.V. (LVN) die Lebensmittel- und Sportwissenschaftlerin, Dr. Mirja Maassen, kennen. Maassen leitet in Hannover eine Praxis zum Thema „MaassVoll ernähren & bewegen". Ihr Angebot reicht von der Ernährungsberatung bis zur Stresstypen-Analyse. Auch lehrte sie am Institut für Sportwissenschaft der Leibniz Universität. Die LVN hat Frau Maassen jetzt befragt, warum Trinken im Zusammenhang mit Sport so wichtig ist und wann die Milch und ihre Inhaltsstoffe für unseren Körper die besten Effekte erbringen.

Frau Dr. Maassen, wenn Sie sportlich aktiv sind, konsumieren Sie nach Ihrer Einheit immer das gleiche
Getränk?
Das kommt vor allem auf die Art, Länge und Intensität der Einheit an. Für mich war es als Handballerin bei den Spielen etwas anderes als beim Training – auch die Intensität war entscheidend. Auch zwischen den Trainingsformen ist hier zu differenzieren: Nach einem Krafttraining würde ich etwas anderes trinken, als nach dem Ausdauertraining.

Was sollte man während der Betätigung trinken oder besser gar nichts?
Das wichtigste ist Wasser. Bei Belastungen von über einer Stunde sollten Kohlenhydrate zugesetzt sein. Eine Zufuhr von Elektrolyten ist erst ab einer Dauer von 90 bis 120 Minuten nötig. Bei ausgeglichenem Flüssigkeitshaushalt ist es bei Einheiten bis zu ca. 45 Minuten tolerabel nichts zu trinken.

Wann passt es am besten Milch, Joghurt, Buttermilch oder Milchmixgetränke zu sich zu nehmen?
In der Regenerationsphase, also unmittelbar nach der Belastung um die Speicher zu füllen, um die Regeneration bzw. Erholung und den Muskelaufbau zu unterstützen.

Nach dem Sport also. Und welche der Produkte erachten Sie als am sinnvollsten für den beanspruchten Körper und aufgrund welcher Inhaltsstoffe?
Da die Makronährstoffe recht ähnlich sind – ausgenommen der Milchmixgetränke, hier ist der Kohlenhydratanteil meist deutlich höher – muss kein großer Unterschied zwischen den genannten Milchprodukten gemacht werden.

Warum ist gerade Trinken im Zusammenhang mit sportlicher Betätigung so wichtig?
Während der Belastung: Durch die Flüssigkeitszufuhr wird die Temperaturregulation erleichtert und die Fließeigenschaften des Blutes werden verbessert. Durch die Kohlenhydratgabe und in geringem Maße auch durch Eiweiße werden die muskuläre und die kognitive Leistungsfähigkeit aufrechterhalten.
Nach der Belastung müssen Speicher wieder gefüllt werden. Unmittelbar nach der Belastung geht das durch Getränke am einfachsten. Nach der ersten Phase ist abwechslungsreiche Kost am sinnvollsten.

Weshalb empfehlen Sie keine zuckerhaltigen Getränke vor dem Sport zu trinken?
Wenn durch die Getränke der Blutzucker zu stark ansteigt, wird Insulin ausgeschüttet. Die Folge ist eine Umstellung des Stoffwechsels auf Erholung. Und das verträgt sich nicht damit „Leistung zu erbringen". Die Aufnahme kleiner Mengen an zuckerhaltigen Getränken unmittelbar vor einer Belastung schadet nicht, da durch die Belastung selbst die Insulinfreisetzung unterdrückt wird.

Sport ist nicht nur schweißtreibend, sondern wir verbrennen dann mehr Energie. Sollten wir deshalb nach dem Sport ordentlich Kohlenhydrate zu uns nehmen, um die Energiereserven wieder zu füllen?
Ja, durch eine Kohlenhydratgabe wird die Erholung beschleunigt. Auch die Aufnahme von Aminosäuren in die Muskulatur wird dadurch verbessert. In der ersten Phase sind zuckerhaltige Getränke am besten.

Warum sollten wir Zeit mit Essen und Trinken verschwenden, wenn wir Nährstoff- sowie Energiedefizite mit Shakes und Tabletten ausgleichen können?
Die Antwort steht auf fast jeder Packung von Nahrungsergänzungsmitteln (NEM): Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung sowie eine gesunde Lebensweise.

Welche Gefahren sehen Sie in den Nahrungsergänzungsmitteln (NEM) für den Körper?
Mit Nahrungsergänzungsmitteln ist der Wert eines breiten, natürlichen Nährstoffcocktails nicht zu erreichen, da zum Teil noch unbekannte Substanzen, oder Wechselwirkungen zwischen Substanzen wirken, die mit NEM nicht zugeführt oder erreicht werden können. Weiterhin können durch die Einnahme von Kombinationspräparaten schnell Überdosierungen entstehen – beispielsweise von Vitaminen.

Anführende Ergänzung zu ernährungswissenschaftlichen Inhalten im Text
In der wissenschaftlichen Literaturübersicht des Kompetenzzentrums für Ernährung (KErn) zu diesem Thema lautet es: Milch wirkt sich bei Kraft- wie Ausdauersportarten positiv auf den Erholungsprozess aus und schneidet zum Teil besser als andere Sportgetränke ab. Diese Aussage stützt die Antworten zum Verzehr von Getränken vor, nach und während des Sports von der Lebensmittel- und Sportwissenschaftlerin, Dr. Mirja Maassen.
Weitere wissenschaftlich fundierte Aussagen zum Thema Milchverzehr und potentielle Krankheitsrisiken können Sie in der PDF zur Publikation, die in Kooperation mit dem Max-Rubner-Institut (MRI) entstand, einsehen.

LVN/Gräflich