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Bronzene Olga 2018: Familie Weusmann hält ihren Hof seit dem 14. Jahrhundert in Familienbesitz

1. Februar 2019

Der Familienbetrieb seit dem 14. Jahrhundert: Der Milchviehbetrieb der Familie Weusmann blickt nicht nur auf eine lange Tradition zurück, sondern ist auch für die Zukunft gut gerüstet – Details dazu erfahren Sie im angeführten Interview. Ehepaar Margret (50) und Dieter (54) Weusmann bewirtschaften den Hof gemeinsam mit Tochter Anne (22). Ihr Hof liegt in Quendorf in der Grafschaft Bentheim.

Erstmals dabei und gleich unter die Top-Drei: In einem festlichen Rahmen erhält der Betrieb dafür voraussichtlich im März sein eigenes Hofschild. Heraus stach der Hof durch gute Organisation und damit verbundene einfache sowie überschaubare Arbeitsabläufe. Die Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen e.V. (LVN) hakte nach, warum sich Familie Weusmann ausgerechnet im letzten Jahr für eine Bewerbung entschied.

LVN: Was bewog Sie zur erstmaligen Bewerbung beim Milchlandpreis-Wettbewerb?
Margret und Dieter Weusmann (MuDW): Unser Interesse lag darin, dass wir wissen wollten, wo man steht und um ein Feedback über Gutes und Schlechtes unseres Betriebes zu erfahren - vor dem Hintergrund anschließend Fehler beheben zu können.

LVN: Wie erklären Sie sich den Erfolg, es gleich auf den dritten Platz geschafft zu haben?
MuDW: Jeder versucht sicherlich das Beste aus dem vorhandenem Betrieb zu machen. Auch durch die jahrelange Arbeit mit unserem Beratungsring und Auswertung der BZA konnten wir oft an den großen und kleinen Schrauben drehen. Außerdem war es vielleicht auch der richtige Zeitpunkt.

LVN: Welchen Stellenwert hat externe Beratungs-Dienstleistung für Sie?
MuDW: Externe Beratungen sehen oft mit ganz anderen Augen den eigenen Betrieb und man selbst wird auf eventuelle Betriebsblindheiten hingewiesen.

LVN: Ihre Tochter Anne absolvierte erst eine Ausbildung zur Fachangestellten für Bäderbetriebe, ehe sie ihre Ausbildung zur Landwirtin startete. Warum will sie nun also doch in Ihre Fußstapfen treten und Ihren Hof übernehmen?
MuDW: In der Landwirtschaft überwiegen eher die Selbständigkeit und das Arbeiten mit Natur und Tieren. Dies macht ihr mehr Freude.

LVN: Sie sind alle ehrenamtlich tätig. Warum setzen Sie einen Teil Ihrer Freizeit dafür ein?
MuDW: Uns allen ist es wichtig, etwas zu bewegen und das nicht nur im landwirtschaftlichen Bereich. Der Austausch mit anderen Berufsgruppen lässt einen über den Tellerrand bzw. eigenen Betrieb hinausschauen. Es macht Spaß, sich für etwas einzusetzen, um dann positive Ergebnisse und Resonanz zu erfahren.

 

LVN: Gibt es trotz Ihres Erfolges Investitions-Pläne oder Verbesserungsideen, um Ihren Betrieb weiterzuentwickeln?
MuDW: Wie gehabt werden wir auch weiterhin an den kleinen Stellschrauben drehen und einige Punkte aus der Bewertung des Milchlandpreises verbessern. In Zukunft veranlassen wir auch genomische Untersuchungen, um dann die weiblichen Tiere besser selektieren zu können. Dies dient dann sicherlich einem besseren und schnelleren Zuchterfolg.
Aus privaten Gründen würden wir größere Investitionen noch zurückstellen. Wir sind zur Zeit mit der „Ist-Situation" zufrieden und möchten nicht zur „Feuerwehrkraft" auf unserem eigenem Betrieb werden.

LVN: Ihre Kühe geben im Schnitt 10.600 kg Milch pro Jahr. Außerdem ragen Ihre sehr guten Fett- und Eiweißgehalte heraus. Das spricht dafür, dass es Ihren Kühen sehr gut geht. Was machen Sie täglich hinsichtlich Tierwohl und Fütterung bzw. worauf legen Sie ansonsten Wert?
MuDW: Unser Stall bietet den Tieren viel Licht, Luft, Platz und gute Hochboxen, die wir zwei bis dreimal am Tag reinigen und mit einem Kalkstrohgemisch im hinteren Bereich einstreuen. Durch unser fahrbares Fressgitter – das sogenannte Weelink – haben unsere Kühe kontinuierlich gutes Grundfutter zur Verfügung. Ebenso tragen eine gute Wasserqualität und saubere Spalten – unserem Spaltenroboter sei Dank – zum Wohlbefinden der Tiere bei. In den Sommermonaten haben die Kühe auf der angrenzenden Weide freien Auslauf.

LVN: Seit dem 14. Jahrhundert ist Ihr Betrieb im Familienbesitz. Stand in dieser Zeit immer die Milchwirtschaft mit Grünland im Fokus Ihres Betriebes oder hatte Ihr Hof in den letzten Generationen auch andere Betriebszweige?
MuDW: Bis 2010 betrieben wir noch Ferkelaufzucht mit zum Teil angeschlossener Masthaltung. Einen Teil dieser Stallungen nutzen wir jetzt für die Trockensteher und Kälberaufzucht auf Stroh.

LVN: Warum würden Sie Ihren Berufskollegen empfehlen, am Milchlandpreis-Wettbewerb teilzunehmen?
MuDW: Durch die Teilnahme erfährt man, wo der Familienbetrieb positioniert ist. Dies hat uns motiviert, und wiederum veranlasst, einiges zu verbessern. Heutzutage durchleben wir eine Zeit, in der viele Dinge kritisch betrachtet werden. Der Milchlandpreis fördert die Akzeptanz und das Ansehen unseres Betriebes. Dies motiviert uns und gibt uns eine Bestätigung im eigenen Handeln.

LVN/Licher