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Silberne Olga 2018: Leyschulte-Steer GbR liegt in nordrheinwestfälischen Naturschutzgebiet

18. Januar 2019

Der nordrheinwestfälische Milchviehbetrieb Leyschulte–Steer GbR schafft es auf den zweiten Platz des Milchlandpreises der Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen e.V. (LVN). Beheimatet ist der Hof im Landkreis Steinfurt – nahegelegen am Ort Westerkappeln. Die Ehepartner Birgit (49) und Hajo (50) Leyschulte, sowie Edelgard (56) und Jürgen (55) Steer betreiben den Hof seit 2003 als GbR. Die Nachfolge ist bereits gesichert: Tochter Katharina (25) Leyschulte ist seit Herbst 2018 neue GbR-Partnerin.

Sehr aktiv ist die GbR in Sachen Öffentlichkeitsarbeit: Edelgard Steer ist bereits seit 1999 im Schulmilchteam der Landesvereinigung der Milchwirtschaft NRW e.V. aktiv und Gesundheitsförderin im Programm „Klasse 2000". Birgit Leyschulte ist im Agrar-, Umwelt- und Energieausschuss der Gemeinde aktiv und Vorsitzende des Landfrauen-Verbandes vor Ort. Ihr Ehemann ist im Vorstand der Osnabrücker Herdbuchgesellschaft und Vorstandsmitglied des Landeskontrollverbandes Nordrhein-Westfalen. Außerdem ist Hajo Leyschulte als Fußball-Schiedsrichter aktiv. Die LVN hat nachgehakt, was die im Nachbar-Bundesland beheimatete GbR dazu bewog, sich beim Milchlandpreis zu beteiligen und sich darüber hinaus vielfach ehrenamtlich zu engagieren.

LVN: Ihr Hof liegt im nordrheinwestfälischen Landkreis Steinfurt und Sie liefern Ihre Milch an die niedersächsische Molkerei Paul Mertens Molkerei GmbH & Co. KG. Wie kam es zu Ihrer Bewerbung beim Milchlandpreis der LVN?

Familie Leyschulte & Familie Steer (L-S): Mit einem Papphocker im Kuhdesign fing alles 2014 an. Den wollten wir gerne haben. Allerdings war nicht klar, ob ein westfälischer Betrieb überhaupt am Milchlandpreis der Niedersachsen teilnehmen darf. Aber wir haben es trotzdem einfach probiert und sind nicht enttäuscht worden. Betrieblich haben wir durch unsere Teilnahme tolle Ideen bekommen, die wir gerne umsetzten und viele nette Menschen kennengelernt. Dadurch wurden wir nach 4 Jahren schnell zum Wiederholungstäter.

LVN: Ihre Tochter Katharina Leyschulte ist seit Herbst 2018 neue GbR-Partnerin. Wieso Partnerin und nicht Angestellte?

L-S: Wir sind der Überzeugung, dass junge, gut ausgebildete Menschen sofort im Betrieb Verantwortung erhalten sollten. Durch Hajo´s ehrenamtliche Tätigkeit hat sie die Möglichkeit, neben der täglichen Arbeit, entscheidende Bereiche zu besetzen. Zum Beispiel: Ausbildung der Lehrlinge, die gesamte elektronische Dokumentation und das Herdenmanagement.

LVN: Wie organisieren Sie grundsätzlich die Aufgabenverteilung und die Abstimmung innerhalb der GbR?

L-S: Die Aufgabenverteilung ist fest. Jürgen Steer ist verantwortlich für Acker, Grünland und Maschinen. Katharina und Hajo für die Milchviehherde, die Nachzucht und das Agrarbüro. Wir besprechen alle Investitionen und zukünftige Richtungen des Betriebes gemeinsam, da wir sehr viel Wert auf die Meinung des anderen legen. Wenn einer Hilfe braucht, sind die anderen gerne sofort zur Stelle.

LVN: Ihre Kühe geben im Schnitt der letzten Jahre 11.400 kg Milch. Das spricht dafür, dass es Ihren Kühen außergewöhnlich gut geht. Was bieten Sie Ihrer Herde in Sachen Tierwohl und inwieweit machen sich Ihre Zuchtmaßnahmen bemerkbar?

L-S: Neben viel Licht, Luft, Platz, Futter und einer guten Liegebox bieten wir einen Außenlaufhof. Für uns bedeutet Tierwohl auch eine intensive Tierbetreuung. Das heißt, wir sind für unsere Mädels 24/7 – 365 da. Tierwohl bedeutet auch mit Hilfe von Zuchtmaßnahmen wie künstlicher Besamung, Anpaarungsprogramm und genomischer Selektion eine einheitliche, robuste Herde zu züchten. Dadurch konnten wir in den letzten 5 Jahren unsere Leistung auf dieses Niveau bringen und trotzdem unsere Kühe älter werden lassen.

LVN: Ihr Betrieb ist nun ein Top-Milchviehbetrieb Norddeutschlands. Gibt es bei Ihnen trotzdem noch Stellschrauben, an denen Sie drehen möchten, um Infrastruktur, Arbeitsprozesse und/oder Ausstattung zu optimieren?

L-S: Durch das Überarbeiten unseres Notfall–Ordners optimieren wir zur Zeit die Routine–Arbeitsabläufe. Alles soll klar strukturiert und selbsterklärend werden. Dabei ist unser Leitspruch „Halte es einfach" (Keep it simple). Durch neue Treibwege soll in Zukunft jeder von uns Tiere alleine bewegen und somit unabhängig arbeiten können. Außerdem streben wir auf Dauer ein papierarmes Büro an.

LVN: In den letzten Jahren verließen zahlreiche Auszubildende Ihren Hof mit erfolgreichem Abschluss und auch derzeit haben Sie einen Auszubildenden. Was reizt Sie an der Zusammenarbeit mit jungen Menschen?

L-S: Jeder Auszubildende bringt uns in seinem/ihrem Jahr etwas Neues mit. Familiär, wie auch betrieblich. Unsere jüngste Tochter hat einmal gesagt: „Schon wieder einen neuen Bruder! (Schwester)". Das beschreibt es wohl am besten. Wir begleiten sie in einer ganz besonderen, prägenden Phase ihres Lebens und freuen uns jeden Tag zu sehen, wie sie sich weiterentwickeln.

LVN: Über die Arbeit auf Ihrem Hof hinaus, sind Sie ehrenamtlich in verschiedenen Verbänden und Projekten aktiv. Erzählen Sie uns gerne mehr über Ihr Engagement in den Projekten „Leader Projekt", „Klasse 2000" und der hiesigen Flüchtlingshilfe „WABE".

L-S: „Leader Projekte" sind Aktionen und Projekte zur Förderung des ländlichen Raumes. In dem „Leader Projekt" – Ent-deckertour Haushalt – handelt es sich um die Vermittlung von Alltagskompetenzen rund um den Haushalt. Landfrauen mit entsprechender Ausbildung führen dieses Projekt in Form von Unterrichtseinheiten an Grund- und weiterführenden Schulen durch. Das Projekt „Klasse 2000" ist bundesweit das größte Projekt zur Gesundheitsförderung in Grundschulen. Die Themen sind: Gesund essen und trinken, bewegen und entspannen, sich selbst mögen und Freude haben, Probleme und Konflikte lösen, kritisch denken und Nein-Sagen. Mit diesen Themen begleitet Edelgard Klassen während ihrer gesamten Grundschulzeit. Für den Verein WABE e.V.-Hilfe für Flüchtlinge und Zuwanderer stellt Familie Steer einen Teil ihrer Diele als Möbellager zur Verfügung.

LVN: Auf welche Art und Weise hat die Bewerbung beim Milchlandpreis-Wettbewerb die Arbeit auf Ihrem Hof bereichert bzw. Sie weitergebracht?

L-S: 2018 gingen wir mit Freude in die Überprüfung zum Milchlandpreis. Wir wussten, dass es uns zwar fordert, aber auch unglaublich viele neue Möglichkeiten zeigt. Man überdenkt viele Zusammenhänge und bekommt eine ganz neue Perspektive vom eigenen Betrieb. Wir haben danach noch lange zusammen gesessen und zehren heute noch von den Eindrücken dieser Teilnahme. Wir haben aber auch festgestellt, dass die Akzeptanz des Verbrauchers für eine zukunftsorientierte Milchproduktion unerlässlich ist. Daher haben wir neben den ca. 20 angemeldeten Gruppenführungen jährlich ein „Stallfenster" für kurzfristige Besucher eingerichtet. Durch dieses können uns die Verbraucher ständig bei der Melkarbeit zuschauen. Über die Abläufe können sie sich entweder in der dazugehörigen Infobox oder natürlich bei uns persönlich informieren.

 

 LVN