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Familienbetriebe werden größer, komplexer und wettbewerbsorientierter

9. November 2018

Keine grundlegenden Änderungen in der Agrarunternehmensstruktur in Deutschland erwartet das Thünen-Institut für die nächsten Jahre. „Familienbetriebe werden weiterhin dominieren", sagte Bernhard Forstner vom Institut für Betriebswirtschaft bei der Jahresversammlung des Europäischen Netzwerks der Agrarsozialversicherungssysteme (ENASP) am 6. November in Berlin. Der Wissenschaftler wies aber zugleich darauf hin, dass die Familienbetriebe selbst einem erheblichen Wandel unterzogen seien und sich ihr klassisches Bild ändere.

"Familienbetriebe werden größer, komplexer und wettbewerbsorientierter", betonte Forstner. Merkmale dafür seien die Bildung von Kooperationen, eine voranschreitende Diversifizierung mit der Gründung neuer Unternehmenszweige, beispielsweise in den Bereichen Verarbeitung und Absatz von Agrarprodukten oder landwirtschaftlicher und landwirtschaftsnaher Dienstleistungen, sowie die Beteiligung an anderen Betrieben.
Der Wissenschaftler sprach von einer weiter zunehmenden Professionalisierung und einer Abnahme der „Bäuerlichkeit". Gleichzeitig stiegen die Bedeutung von Fremdarbeitskräften und die Inanspruchnahme von professionellen Dienstleistungsangeboten. Forstner bemängelte, dass sich die wachsende Komplexität der Familienunternehmen immer weniger in der Agrarstatistik widerspiegle. Dies habe erhebliche Auswirkungen auf Qualität von Struktur- und Einkommensanalysen sowie mögliche agrarpolitische Schlussfolgerungen.
Der Agrarökonom sieht Vorteile von Familienbetrieben gegenüber großen Kapitalgesellschaften. Er nannte eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung, eine große Flexibilität, die vor allem in Krisensituationen zum Tragen komme, aber auch eine breite politische Unterstützung. Nicht überschätzt werden dürfe indes die Betriebsgröße. In vielen erfolgreichen und dynamischen Familienbetrieben sei die Größe von untergeordneter Bedeutung. Keinen entscheidenden Einfluss auf die grundsätzlichen Trends in der Entwicklung der Agrarunternehmensstruktur misst Forstner der EU-Agrarpolitik bei.

AgE