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LVN-Mitgliederversammlung: „Jahr verlief herausfordernd und spannend“

2. November 2018

Die Herausforderungen für die Milchwirtschaft werden zunehmend komplexer. Strategien und Konzepte müssen mittlerweile fachübergreifend entwickelt werden. Hierbei ist darauf zu achten, dass die Branche die Akzeptanz und die Wettbewerbsfähigkeit erhält, indem sie sich aktiv in die Diskussion einbringt.

Ziel der Branche muss es weiter sein, Entwicklungen und Prozesse aktiv mitzugestalten. Auf der 46. Mitgliederversammlung der Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen e.V. (LVN) berichteten der Vorstand und die Geschäftsführung über Maßnahmen, Initiativen und Aktionen mit denen sie dieses Ziel erreichen wollen. Dazu kamen rund 110 Gäste aus Politik und Wirtschaft, darunter zahlreiche Vertreter der 19 LVN-Mitgliedsorganisationen, zu denen Bauern-, Molkerei- und Gewerkschafts- sowie Verbraucherverbände gehören. Die Versammlung fand am Donnerstag, 1. November, in Isernhagen im Hotel Hennies statt.

„Wir sind fast am Ende eines spannenden und herausfordernden Jahres 2018. Spannend, aber eher im Sinne von nervenaufreibend machten das Jahr die Wetterkapriolen, die uns von einem Extrem ins Nächste jagten", begann der Vorstandsvorsitzende, Jan Heusmann, seine Rede. Die Milchwirtschaft und die gesamte Landwirtschaft müssen sich einerseits Marktrisiken und andererseits steigenden Anforderungen an eine nachhaltige Prozessqualität stellen, betonte Heusmann daraufhin. Die extremen Witterungenstellte er in den Vordergrund: „Klimaveränderungen sind ein Ergebnis globaler Entwicklungen. Die Probleme liegen heute vielschichtiger und können nur gelöst werden, wenn die Bereitschaft da ist, sektor- und fachübergreifend konstruktiv zusammen zu arbeiten. Eine der größten Herausforderungen der Zukunft wird es sein, dass eine Strategie entwickelt wird, Zielkonflikte zu überwinden. Dies kann nur erreicht werden, wenn Bereitschaft vorhanden ist, kurzfristige eigene Interessen zurückzustellen, um langfristige gemeinsame Ziele erreichen zu wollen." Heusmann dankte dem Landwirtschaftsministerium und den Molkereiunternehmen für die Gespräche bezüglich der Modernisierung der Lieferbeziehungen: „Staatliche Vorgaben sind nicht notwendig, Regelungen sind unternehmensindividuell zu handhaben. Lieferbeziehungen sind eine Angelegenheit zwischen Molkereien und ihren Milcherzeugern."
Im Bereich Öffentlichkeitsarbeit schätzt der stellvertretende Vorsitzende, Herbert Heyen, die „praxisnah" entwickelten Kommunikations- und Öffentlichkeitskonzepte der LVN: „Mit zahlreichen Materialien für Hofbesuche von z.B. Schulklassen, aber auch mit Maßnahmen wie ‚Ich bin Milchbauer. ... frag mich doch!', dem Milchlandpreis mit der Goldenen Olga oder dem Videoportal My KuhTube erhalten wir vielfältige Unterstützung. Sowohl on- und offline erzielt die Landesvereinigung damit eine Vielzahl an positiven Begegnungen und Berichten."
„Wieder einmal wird die LVN den Mitgliedern und Gästen der Mitgliederversammlung ein ganzes Bündel an Maßnahmen, die umgesetzt werden sollen, vorstellen. Gerade im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit erlangten diese Maßnahmen unter Nutzung der neuen Medien in der jüngeren Vergangenheit einen hohen Bekanntheitsgrad – weit über die Grenzen Niedersachsens hinaus", sagt Heinrich Daseking, der zuständige Referatsleiter aus dem Landwirtschaftsministerium, mit optimistischem Blick auf die kommenden Maßnahmen.
Vizepräsident des Landvolk Niedersachsens – Landesbauernverband e.V., Ulrich Löhr, sagte über die niedersächsische Milchwirtschaft: „Sie hat sich in jüngster Vergangenheit gesellschaftlichen Herausforderungen immer wieder gestellt und selbst Antworten präsentiert. Dafür steht beispielsweise das Qualitätsmanagement Milch mit ihren Nachhaltigkeitskriterien, die hier erstmals einbezogen wurden. Unsere Milchviehhalter wünschen sich, wie andere Landwirte auch, eine steuerliche Möglichkeit der Risikovorsorge. Sie könnte uns in Marktkrisen ebenso helfen wie bei Witterungseinflüssen, sei es nun Nässe oder Dürre. Hier müssen die Politiker endlich die lang diskutierten Vorschläge auf den Weg bringen." Löhr sieht die hohe Qualität der deutschen Agrarprodukte als Motor des Exportgeschäftes: „Es geht nicht darum, Produkte zu verramschen." Gerade in der Nutztierhaltung wünscht er sich einen Dialog auf Augenhöhe: „Die LVN ist hierbei der richtige Partner und das Landvolk ist gerne dabei."
Faktencheck und die Analyse von Argumenten sind ihre Profession: Die Gastreferentin Johanna Bayer ist Wissenschaftsjournalistin, Foodbloggerin und hat viele Jahre Fernsehen für WDR und ARD gemacht – Spezialgebiet Ernährung. Ende 2014 startete sie ihren Blog „www.quarkundso.de", auf dem sie den Umgang der Medien mit Ernährungsthemen kommentiert. Auf der LVN-Mitgliederversammlung referierte sie unter dem Titel „Die Feinde der Milch: Argumente und Strategien". „Milchkritiker rollen Fragen auf, die wissenschaftlich längst entschieden sind: Beispielsweise ‚Ist es natürlich, Milch zu trinken?' oder ‚Ist es normal, als Erwachsener Milch verdauen zu können?'", sagt Bayer und sieht besonders Veganer in diesen Debatten gut organisiert und professionell: „Sie bieten Informationen, Diskussionsleitfäden oder Material für Schüler-Referate an. Dabei dienen ihnen Gesundheitsargumente aber eher als Vehikel für ihre eigentlichen Botschaften: Konsumkritik und Tierschutz." Auch das eigene Metier ist dabei in der Verantwortung, so die Journalistin: „Viele Redaktionen nehmen von Verbänden, NGOs oder Aktivisten geliefertes Material unkritisch an – dass es sich dabei nicht um unabhängige Informationen handelt, geht im Alltagsbetrieb oft unter."

Aus der Arbeit der LVN – Themen und Trends
Sorge bereitete den Milchbauern zuletzt weniger die Berichterstattung, sondern die lang anhaltende Dürre. „Da wegen der Trockenheit auf vielen Höfen Futter fehlt, könnte sich bei spät einsetzender Vegetation im kommenden Frühjahr die Situation für viele Futterbaubetriebe äußerst prekär darstellen", sagt LVN-Geschäftsführer Frank Feuerriegel. „Aktuell sind die Folgen der lang anhaltenden Dürre im Hinblick auf die Milchmenge noch nicht sichtbar. Aber die Inhaltsstoffe Fett und Eiweiß waren insbesondere im 2. und 3. Quartal 2018 unterdurchschnittlich." Zurzeit liegt der durchschnittliche Auszahlungspreis bei rund 35 Cent/kg, nachdem der Auszahlungspreis Anfang 2018 auf knapp 32 Cent/kg abgesunken war. „Es scheint sich, durch die Verlangsamung des Milchmengenwachstums gepaart mit dem eher unterdurchschnittlichen Inhaltsstoffgehalten bei gleichzeitig saisonal bedingter Nachfragesteigerung, ein neues Gleichgewicht am Markt eingestellt zu haben. Erneut zeichnet sich ab, dass sich die Erlösseite für fetthaltige Produkte deutlich stärker verbessert hat", so LVN-Geschäftsführer Frank Feuerriegel. „Insbesondere die Butternotierungen stiegen seit Februar 2018 um deutlich mehr als einen Euro. Auch die Käsenotierungen legten bei den Standardsorten Gouda und Edamer seit März zu." Erste Molkereien kündigten deshalb bereits im Mai 2018 Preisanhebungen an. „Insgesamt wird das Jahr 2018 im Durchschnitt aber deutlich unter 2017 abschließen. Während 2017 noch exakt 36,00 Cent/kg im Durchschnitt ausgezahlt werden konnten, wird das Auszahlungsniveau im Jahresmittel 2018 bei 33,80 bis 33,90 Cent/kg liegen", so Feuerriegel.
Nicht prekär sondern populär steht das Projekt „My KuhTube" in seinem fünften Jahr da. Diese Zahlen belegen das: Insgesamt über 2.000.000 Zugriffe auf die Videos des Kanals bei „YouTube". Bei „Facebook" besitzt die gleichnamige Seite aktuell über 9.000 Fans und erzielt wöchentliche Reichweiten im hohen fünfstelligen Bereich. Die LVN-Geschäftsführerin, Kristine Kindler, ist stolz auf das Projekt und seine erfolgreiche Laufbahn: „Dass wir Landwirte haben, die uns hierbei mit so viel Ehrgeiz, Spaß und hochwertigem Videomaterial unterstützen, ist der Grundstein dieses Erfolges. Ihr stetiger Einsatz unterstützt uns, zu mehr Transparenz in der Milchwirtschaft beizutragen."
In ihrem Bericht ging die LVN-Geschäftsführerin besonders auf die öffentlich wirksamen Aktionen ein: Hier entwickelte sich die Initiative DIALOG MILCH zu einem wichtigen Standbein. Unter diesem Titel gab es ebenfalls zahlreiche Einsätze der „Bauern als Botschafter" (BaB´s) in elf verschiedenen niedersächsischen Innenstädten. Die BaB´s berichteten über interessante und wertvolle Begegnungen mit Mitbürgern unterschiedlichster Berufsgruppen.
Neu zu DIALOG MILCH gesellt sich die Website www.FragdenMilchbauern.de. Hier beantwortet das LVN-Team in Zusammenarbeit mit den BaB´s Verbraucherfragen – dies ist das Hauptziel der Seite. Diese Internetseite wird über Plakate in zahlreichen niedersächsischen Städten wie Braunschweig, Hannover und Osnabrück beworben. Zudem gab es in diesen dreien und fünf weiteren Städten Busse, die mit schwarzbunten Motiven zu der Initiative gekennzeichnet waren. Dabei bewarben sie die Internetseite im alltäglichen Straßenverkehr.
„Insgesamt stehen in der Kommunikation der LVN drei Dimensionen ganz weit vorn: Beziehungen, Glaubwürdigkeit und Erlebnisse", resümiert Kristine Kindler.

Wahlen, Prüfungen und Finanzpläne
Im weiteren Verlauf der Tagesordnung berichtete Günter Schäfer – AWADO Deutsche Audit GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Hannover – über die Prüfung der Jahresrechnung und der Jahresabschlüsse für das Rechnungsjahr 2017 mit uneingeschränkt erteiltem Bestätigungsvermerk und Maren Meyer über eine beanstandungsfreie Kassenprüfung. Die Genehmigung der Jahresrechnung und des Jahresabschlusses erfolgten ebenso einstimmig wie die Entlastung des Vorstandes und der Geschäftsführung. Als Kassenprüfer für das Jahr 2018 wurden Heinrich Steinbeck im Amt bestätigt bzw. Fred Arkenberg neu gewählt. Weiterhin sprach sich die Mitgliederversammlung einstimmig für die Beauftragung der NWPG Treuhand Weser-Ems GmbH – Wirtschaftsprüfungsgesellschaft –, Oldenburg betreffend der Prüfung der Jahresrechnung 2018 aus. Einen umfassenden Überblick über die Umlageverwendung 2019 gab im Anschluss Kristine Kindler. Dabei ging sie auf die Einnahmen- und Ausgabensituation des Umlageverwendungsplans sowie des LVN-Wirtschaftsplans (Institutionelle Förderung) ein. Sie berichtete über die einzelnen Titelansätze und die daraus zu finanzierenden Maßnahmen. Im Jahr 2019 würden auf Basis von 5,6 Milliarden kg Anlieferungsmilch gut 2,52 Mio. Euro Umlage, bei einem Hebesatz von 0,00045 €/kg, aufkommen. Der vorgelegte Umlageverwendungsplan und der Wirtschaftsplan für das Haushaltsjahr 2019 wurden von der Mitgliederversammlung einstimmig genehmigt. Er wird als Vorschlag bei der Bewilligungsbehörde eingereicht. Ebenfalls einstimmig erfolgte der Beschluss zum Verkauf des Gebäudes der LVN in der Ammerländer Heerstraße 121, Oldenburg im 1. Halbjahr 2019 an die Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Der Verkauf erfolgt unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Aufsichtsbehörden zum Einsatz des Verkaufserlöses für den Erwerb bzw. die Errichtung eines alternativen Gebäudes zur Nutzung als Geschäftsstelle für die LVN. Herzlich verabschiedete die Mitgliederversammlung den langjährigen Vorsitzenden des Verwaltungsausschusses Jürgen Hirschfeld. Zur Bildergalerie von der Mitgliederversammlung gelangen Sie über die Sidebar auf der Startseite.

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