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Milch und Joghurt statt Pillen und Pulver

12. Januar 2018

Ob in Form von Pulver, Shakes oder Tabletten – bei zahlreichen Hobby-Sportlern gehören Nahrungsergänzungsmittel (NEM) zum Alltag. Ein Trend, dem die Ernährungsberaterin der Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen e.V. (LVN), Lara Bodenhagen, nicht empfiehlt zu folgen.

Sie gibt Tipps zur ausgewogenen Ernährung, um selbst vermuteten Nährstoffmängeln entgegen zu wirken. Auch Krankenkassen beschäftigt das Thema: Im vergangenen Dezember veröffentlichte die AOK-Bundesverband GbR (AOK) eine Pressemitteilung, in der sie aufzeigte, dass die Wissenschaft negative Auswirkungen von Nahrungsergänzungsmitteln auf den menschlichen Körper bisher nicht ausschließen kann.
Warum schlucken Sportler Nahrungsergänzungsmittel? „Einige Freizeitsportler versuchen durch Nahrungsergänzungsmittel eine höhere Leistungsfähigkeit, bessere Belastbarkeit und schnelleren Muskelaufbau zu erlangen. Manche hoffen mit Vitaminpräparaten ihr Immunsystem stärken zu können", so Bodenhagen. „Um kurzfristig die körperliche Leistungsfähigkeit zu erlangen und die Konzentration zu steigern, nehmen manche sogar Koffeintabletten." Spiegel Online schrieb jetzt zum Thema, dass der deutsche Handel pro Jahr etwa 165 Millionen Verpackungen NEM verkauft – ein Drittel der hiesigen Erwachsenen greift regelmäßig zu derartigen Präparaten.
Was sind die gängigsten Nahrungsergänzungsmittel? „Besonders beliebt sind Eiweißpräparate, Koffeintabletten und Supplemente mit Mineralstoffen wie Magnesium und Kalium", listet die Ernährungsberaterin auf. Die AOK schrieb dazu, dass die NEM selektiv sind und nur wenige Nährstoffe in konzentrierter Form enthalten. Mischkost dagegen liefert ein buntes Potpourri an wichtigen Mikro- und Makronährstoffen, Ballaststoffe und zahlreiche andere Stoffe. Deshalb können die Mittelchen aus der Drogerie oder dem Sportgeschäft grundsätzlich keine ausgewogene Ernährung ersetzen.
Dazu ein Beispiel: Nun deckt eine Magnesiumtablette unseren Tagesbedarf, allerdings deckt der Mensch einen Teil dieses Bedarfs mit seiner täglichen Nahrungsaufnahme. Wozu kann dann die Überdosierung führen? Bodenhagen erklärt: „Zwar wollen die meisten Sportler ihrem Körper etwas Gutes mit den NEM tun, doch viele vergessen die Risiken, wie beispielsweise eine Überdosierung. Aufgrund hoher Dosierungen der NEM und der natürlichen Aufnahme durch die Nahrung kann es schnell zu viel des Guten werden. Kann der Körper die überschüssigen Stoffe nicht mehr ausscheiden, kann es zunächst zu Durchfall, Kreislaufproblemen, Erbrechen und Kopfschmerzen kommen. Eine Vitamin D-Überdosierung über einen längeren Zeitraum kann zum Beispiel zu Nierensteinen oder sogar Nierenversagen führen. Um eine Überdosierung zu vermeiden, sollte jede NEM-Einnahme mit einem Arzt abgesprochen werden."
Wie NEM durch alltägliche Nahrungsmittel ersetzt werden können, dazu empfiehlt die Ernährungsberaterin beispielsweise zum Muskelaufbau: „Aminosäurepräparate zählen zu den beliebtesten NEM in Deutschland. Doch diese teuren Extras sind auf keinen Fall ein Muss für Sportler, denn Eiweiß, das aus Aminosäuren besteht, findet sich auch in ganz natürlichen Lebensmitteln in hohen Konzentrationen wieder. Optimale Eiweißlieferanten sind beispielsweise Magerquark, Sauermilchkäse und Hülsenfrüchte. Zudem ist es wissenschaftlich bewiesen, dass durch die richtige Kombination von Lebensmitteln eine bessere Verwertbarkeit des Eiweißes möglich ist. Das können die NEM, in denen die Nährstoffe nur isoliert vorliegen, nicht leisten."
Ebenfalls ein wichtiger Nährstofflieferant, der auch Eiweiß enthält, ist Joghurt. Joghurts testete „Stiftung Warentest" und präsentierte die Ergebnisse jetzt in der Ausgabe 1/2018. Insgesamt prüften sie 24 Joghurts, wovon 22 das Qualitätsurteil „gut" bekamen. Gesunde Alternative zu NEM: Darüber hinaus schreibt die Organisation, dass Naturjoghurts Kalzium, Proteine, Vitamin A und D enthalten und ohne zusätzlichen Zucker auskommen. Im Test haben alle Produkte - bis auf einen Griechischen Sahnejoghurt - für die mikrobiologische Qualität die Note „sehr gut" erhalten.
Zahlreiche Hobby-Athleten versuchen ihre Konzentration beim Sport mit zusätzlichen Vitaminen und Traubenzucker aufrecht zu erhalten. Auch hierzu kennt Bodenhagen Alternativen aus den hiesigen Molkereien: „Statt reinem Traubenzucker oder teurer Shakes aus dem Handel kann man sich seine Zwischenverpflegung auch ganz einfach selbst mixen. So dienen Milchshakes mit frischen, pürierten Früchten und einem Spritzer Honig als optimaler Energielieferant, den man ganz nach Belieben selbst schnell und kostengünstig herstellen kann." Allgemein empfiehlt die AOK eine ausgewogene Ernährung zu sich zu nehmen anstatt mit NEM Abhilfe zu schaffen. Denn auf diese Weise lässt sich der erhöhte Eiweißbedarf von Kraftsportlern decken. Insbesondere Proteinbausteine, die den eigenen Muskeleiweißen ähneln, fördern das Muskelwachstum. Dazu gehört beispielsweise das Muskelfleisch vom Rind. Aber auch Käse, Quark, Magermilch, Gemüse, Getreide oder Eier sind gute Eiweißquellen.

AOK-Bundesverband GbR /Spiegel Online/ Stiftung Warentest/LVN/Gräflich/Bodenhagen