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Wie die Bürger über Nutztiere denken: Ein LVN-Kommentar zum Artikel in top agrar 6/2018

8. Juni 2018

Das Töten von Nutztieren ist erlaubt, wenn diese zuvor ein gutes Leben hatten. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage der Universität Göttingen über die Wertvorstellungen der Deutschen zur Nutztierhaltung, über die die aktuelle Ausgabe von top agrar 06/2018 berichtete.

Die Studienergebnisse in Kürze:
• „Die Einstellung zu Nutztieren hat sich verändert.
• Die Deutschen machen kaum noch Unterschiede zwischen Haus- und Nutztieren.
• Der Deal lautet: Nutztiere darf man schlachten, wenn sie zuvor ein gutes Leben hatten.
• 20 Prozent lehnen eine Nutzung von Tieren „eigentlich" ab. Nur ein Viertel dieser Gruppe verzichtet aber schon auf Fleisch.
• Die Landwirtschaft muss die Haltung besser an die Bedürfnisse der Nutztiere anpassen, eigene tierethische Positionen entwickeln und offensiv kommunizieren."

Der Kommentar unseres Geschäftsführers Frank Feuerriegel zu den Studienergebnissen:
„Tierhaltung und Nutztierhaltung – bei beiden gibt es gute und schlechte Beispiele. Für eine Gesellschaft ist es natürlich immer leichter, Probleme, die nur eine Gruppe betreffen, zu thematisieren. Ich finde, dass viele Haustiere ihren Haltern ebenfalls nur „nutzen". Vielfach ist der Leidensweg für diese Tiere viel länger, da sie nicht als Fleisch in der Kühltheke landen. Haustiere müssen falsche Haltungsbedingungen, die niemand kontrolliert – außer es liegt eine Beschwerde beim Veterinäramt vor – ihr Leben lang ertragen.
Ein Reitpferd, das im Winter wochenlang in der Box steht, da es in dieser Zeit wenige Turniere gibt und der Besitzer es in dieser Zeit nicht für Turniererfolge nutzen kann. Der Hund des berufstätigen Ehepaars, der den ganzen Tag alleine in der Etagenwohnung auf seine Besitzer wartet, um dann am Abend zehn Minuten Gassi gehen zu dürfen. Oder der edle und teure Weimaraner, als Jagdhund gezüchtet, aber weil er so schön ist, gerne für Sonntags-Spaziergänge herhalten muss. Nur, um seinem erfolgreichen Herrchen, der kein Jäger ist, zu „nutzen". Die Katze, die mit einer anderen Katze zusammenleben muss, mit der sie nur Stress hat und sie eigentlich lieber alleine wäre. Der Papagei, der Jahrzehnte in Einzelhaltung in einem viel zu kleinen Käfig lebt und all das nur, damit er seinem Besitzer einige Worte „nachplappert".
In all diesen Fällen „nutzen" wir Menschen Tiere. Dieser „Nutzen" erfolgt häufig aus rein egoistischen Motiven ihrer Besitzer. Diese besitzen keine Ausbildung und halten die Tiere, ohne um ihre Bedürfnisse zu wissen. Die Sachkunde der Haustierhalter wird vielfach nicht hinterfragt.

LVN/Feuerriegel