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LVN-Mitgliederversammlung: „Milchprodukte bei fast jedem Deutschen täglich auf dem Speiseplan

10. November 2017

LVN-Vorstand sieht positive Zukunft für hiesige Milchwirtschaft / Gastreferent referiert zur Tierethik

„Die Landesvereinigung ist eine neutrale, anerkannte und zuverlässige Stelle, über die wir die Chance haben, mit allen Akteuren, die am Produkt ‚Milch' beteiligt sind, in den Dialog zu treten. Mit dem Ziel, die kritische Haltung gegenüber uns Tierhaltern aufzuarbeiten und anzupacken. Damit positive Entwicklungen in der Milchwirtschaft mehr Beachtung in der Gesellschaft und Politik finden", so der Vorstandsvorsitzende der Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen e.V. (LVN), Jan Heusmann, auf der 47. Mitgliederversammlung der LVN am Dienstag, 7. November.

„Als runder Tisch der gesamten niedersächsischen Milchwirtschaft wollen wir diese Entwicklungen aber nicht nur kommunizieren, sondern über die gemeinsamen Initiativen unserer Mitglieder auch aktiv lenken." Die Mitglieder kamen im Hotel Hennies in Isernhagen zusammen. Während seiner Eröffnungsrede ging Heusmann auch auf Themen ein, die aus seiner Sicht zu wenig Platz in den Medien und der Politik finden: „Die Digitalisierung zieht im Kuhstall ein. Sie führt zu einer besseren Kontrolle der Tiere und hilft dabei, etwaige Erkrankungen bereits im Vorfeld zu erkennen. Weitere Beispiele sind die verlustarme, bodennahe Ausbringung von Gülle und Gärresten, die Gerüche und Ammoniakverluste minimieren. Auch Kuhkomfort ist bei der Planung neuer Ställe seit Jahren ein Leitthema." Trotzdem blickt der LVN-Vorsitzende optimistisch in die Zukunft der niedersächsischen Milchwirtschaft und ist darüber erfreut, dass trotz Skepsis, von Seiten der Gesellschaft gegenüber Milch, bei fast jedem deutschen Verbraucher Milchprodukte täglich auf dem Speiseplan stehen. In Bezug auf den Markt und die Preisbildung äußerte sich Heusmann wie folgt: „Die Politik muss sich nicht von oben herab in den Milchpreis einmischen. Landwirte und Molkereien können selbst gemeinsam einen Preis aushandeln."
„Eine der großen Herausforderungen für die Milchwirtschaft für die kommenden Jahre", so Heinrich Daseking, Milchreferent im Niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz in seinem Grußwort, „wird der Umgang mit Preis- und Mengenschwankungen sein. Die Ursachen für diese Schwankungen sind sehr vielfältig und müssen bei den Diskussionen über zu ergreifende Maßnahmen berücksichtigt werden." Der LVN dankte Daseking für ihre Arbeit – sie sei seit Jahren wichtige Ansprechpartnerin und Fachinformationsquelle für das Ministerium.
Landvolkvizepräsident Albert Schulte to Brinke sah in seinem Grußwort die Milcherzeuger in einem zunehmend unsicheren Umfeld. Marktvolatilitäten nähmen zu, das politische Umfeld verändere sich ebenfalls. „Grundwerte verschieben sich und die Politik ‚rennt' immer mehr dem Mainstream nach", kritisierte er. Um die "Lizenz" zum Produzieren erhalten zu können, werde der Investitionsbedarf höher. Damit sinke aber auf mittlere Sicht die Liquidität der Milchviehhalter. Zugleich sähen sie sich extremen Schwankungen bei den Erlösen ausgesetzt. „Milchbauern haben viele Fragen und bekommen keine leichten Antworten", schildert Schulte to Brinke die Klemme, in der sich die Betriebsleiter befinden. Eine nachhaltige Entwicklung auf Grundlage fachlicher und wissenschaftlicher Expertise sei für langfristig planende Unternehmen eine Grundvoraussetzung für ihr zukünftiges Wirtschaften. Das Marktrisiko dürfe nicht nur auf die Stufe der Primärproduktion abgewälzt werden. „Die Politik muss sich an langfristigen Zielen orientieren. Dazu sind Rahmenbedingungen gefragt, die unseren Landwirten eine langfristige Entwicklung ihrer Höfe ermöglicht", fordert Schulte to Brinke. Von einer staatlichen Steuerung der Milchmenge halte er nichts: „Die Vergangenheit hat oft gezeigt, dass staatliche Regelungen für die Landwirtschaft nicht gut sind."
„Kern im Streit um die Nutztierhaltung ist der Streit über den moralischen Rang von Tieren. Es gibt einen Wandel im Tier-Mensch-Verhältnis", sagte Professor Dr. Peter Kunzmann, er lehrt am Institut für Tierhygiene, Tierschutz und Nutztierethologie der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover. Immer mehr Menschen fühlten sich verantwortlich für das Wohl der Nutztiere. Er sehe das Ziel einer guten Nutztierhaltung darin, dass die Landwirtschaft sichere und bezahlbare Lebensmittel mit möglichst geringen Belastungen für die Tiere und für die Umwelt herstelle. Eine gute Haltung hänge dabei nicht von der Menge der Tiere sondern von der Verantwortung des Halters ab. „Milchbauern haben atmosphärische Pluspunkte, denn Kühe sind Sympathieträger und haben als Einzeltier einen relativ hohen ökonomischen Wert. Außerdem ist für die meisten Menschen Milch nicht direkt mit dem Töten von Tieren verbunden. Dadurch ergibt sich das Bild, das Milchbauern okay sind."
Über 120 Gäste aus Politik und Wirtschaft, darunter zahlreiche Vertreter der 19 LVN-Mitgliedsorganisationen, zu denen Bauern-, Molkerei- und Gewerkschafts- sowie Verbraucherverbände zählen, verfolgten einen informativen Vormittag.

Aus der Arbeit der LVN – Themen und Trends
„Online wie offline sind uns publikumswirksame Aktivitäten wichtig", so die Hauptgeschäftsführerin Kristine Kindler in ihrem Bericht über die Arbeit der LVN. In ihren Projekten arbeite die LVN crossmedial und beziehe aktuelle Kommunikationstrends ein – Authentizität steht hierbei im Fokus. „In vielen Projekten unterstützen uns deshalb die Milchbauern. Gemeinsam schaffen wir mit unserer engen Zusammenarbeit Transparenz und kommunizieren dabei zielgruppengerecht", sagt Kindler.
„Die LVN erreicht mit ihrer Kommunikation nicht nur Verbraucher vom Vorschulalter bis hin zur Seniorengeneration, sondern auch Meinungsbildner in Schulen, im medizinischen Bereich und in der Ernährungsberatung. Dadurch entstehen Kontakte, die für unsere Milchwirtschaft überaus wichtig sind", bekräftigt Herbert Heyen, stellvertretender Vorsitzender der LVN und ergänzt: „Mit dem Projekt ‚Ich bin Milchbauer. ... frag mich doch!' und vor allem dem Milchlandpreis und der Goldenen Olga erzielt die LVN eine beachtliche Summe an positiven Berichten und schafft wertvolle Dialoge – dies sind nur zwei der zahlreichen Projekte der LVN. Sie alle tragen die Landwirtschaft in die Presse und in die Stadt." Zu der Arbeit der LVN im abgelaufenen Jahr, zieht Heyen ein positives Fazit und dankt den Mitgliedern und Mitarbeitern für ihr Engagement: „Die Landesvereinigung schafft es vorbildlich, dass Hauptamt und Ehrenamt erfolgreich Hand in Hand an der gemeinsamen Sache arbeiten."
Geschäftsführer Frank Feuerriegel fasste das Milchjahr 2017 zusammen. Die Milch- und Buttermärkte zeigten, anders als die von Zucker oder Rindfleisch, eine viel höhere Volatilität auf. Marktprognosen seien deshalb eher spekulativ. Für das Jahr 2017 gab er eine vorsichtige Einschätzung des niedersächsischen Milchauszahlungspreises von durchschnittlich 36 Cent/kg Milch. Damit werde der Vorjahrespreis um rund 11 Cent bzw. 44 Prozent überschritten.
Im Blick auf den Weltmarkt hob Feuerriegel insbesondere die wachsende Milchproduktion in den USA auf der einen Seite, aber auch eine positive Nachfrageentwicklung in China heraus.
Voraussetzung für den Absatz von Milchprodukten sei aber immer die Sicherheit der Rohmilch. „Deshalb beschäftigen wir uns in der LVN weiterhin intensiv mit der Fortführung und Weiterentwicklung des Nordwestdeutschen Rohmilchmonitorings", sagte Feuerriegel. Darüber hinaus begleite man Projekte und Forschungsfelder im Bereich Kälbergesundheit und Eutergesundheit.

Wahlen, Prüfungen und Finanzpläne
Im weiteren Verlauf der Tagesordnung berichtete Günter Schäfer – AWADO Deutsche Audit GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Hannover – über die Prüfung der Jahresrechnung und der Jahresabschlüsse für das Rechnungsjahr 2016 mit uneingeschränkt erteiltem Bestätigungsvermerk und Maren Meyer über eine beanstandungsfreie Kassenprüfung. Die Genehmigung der Jahresrechnung und des Jahresabschlusses erfolgten ebenso einstimmig wie die Entlastung des Vorstandes und der Geschäftsführung. Als Kassenprüfer für das Jahr 2017 wurden Maren Meyer im Amt bestätigt bzw. Heinrich Steinbeck neu gewählt. Weiterhin sprach sich die Mitgliederversammlung einstimmig für die Beauftragung der AWADO Deutsche Audit GmbH betreffend der Prüfung der Jahresrechnung 2017 aus. Einen umfassenden Überblick über die Umlageverwendung 2018 gab im Anschluss Kristine Kindler. Dabei ging sie auf die Einnahmen- und Ausgabensituation des Umlageverwendungsplans sowie des LVN-Wirtschaftsplans (Institutionelle Förderung) ein. Sie berichtete über die einzelnen Titelansätze und die daraus zu finanzierenden Maßnahmen. Im Jahr 2018 würden auf Basis von 5,6 Milliarden kg Anlieferungsmilch gut 2,52 Mio. Euro Umlage, bei einem Hebesatz von 0,00045 €/kg, aufkommen. Der vorgelegte Umlageverwendungsplan und der Wirtschaftsplan für das Haushaltsjahr 2018 wurden von der Mitgliederversammlung einstimmig genehmigt. Er wird als Vorschlag bei der Bewilligungsbehörde eingereicht. Bilder von der Mitgliederversammlung finden Sie in unserer Galerie.

LVN/Licher