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Umweltbilanz von Milch und Milcherzeugnissen erstellt

28. November 2014

Das Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (IFEU) hat nach zweijähriger Arbeit zusammen mit dem Verband der Deutschen Milchwirtschaft e.V. (VDM) und dem Milchindustrie-Verband e.V. (MIV) das Projekt über die Umweltbilanz von Milch- und Milcherzeugnissen abgeschlossen.
Im Rahmen des Projektes wurden mit Beteiligung der MIV/VDM AG Umwelt ein Bericht sowie ein sogenannter Emissions- und Ressourcenrechner für die Mitgliedsunternehmen entwickelt.

Der Bericht kann unter folgendem Link eingesehen werden:
http://www.milchindustrie.de/uploads/tx_news/IFEU-VDM-Milchbericht-Umweltbilanz-2014_01.pdf

Die zentralen Ergebnisse des Projektes lauten:

Beitrag der untersuchten Milchprodukte zur Gesamtumweltbelastung in Deutschland
Der Konsum der untersuchten Milchprodukte (Trinkmilch, Joghurt, Schnittkäse und Trockenmilcherzeugnisse) trägt in Deutschland zu etwa 3 % der Treibhausgasemissionen, 1 % des Primärenergiebedarfs, 6,5 % der versauernden Luftschadstoffe und 8,5 % der terrestrischen Eutrophierung bei. Der Beitrag ist damit relevant, aber angesichts der Tatsache, dass es sich um hochwertige Nahrungsmittel handelt, nicht besonders hoch. Optimierungen in der Produktion fallen im Hinblick auf die Treibhausgasminderungsziele in Deutschland nur wenig ins Gewicht.


Geringe CO2-Emissionen im internationalen Vergleich
Die Treibhausgasbilanz von Milch aus deutscher Produktion ist vergleichsweise niedrig und liegt deutlich unter dem von der FAO ermittelten globalen Durchschnitt.

Veränderung der Umweltbilanz in den letzten 20 Jahren
In den letzten 20 Jahren hat sich die Umweltbilanz von Milchprodukten in den betrachteten Umweltwirkungskategorien deutlich verbessert. Der Energiebedarf der Molkereien je Tonne verarbeiteter Milchmenge sank um etwa 16 %. Die Treibhausgasemissionen der Milcherzeugung sanken um etwa 20 % je Tonne Milch, die eutrophierenden und versauernden Emissionen sogar um fast 30 %; diese Verbesserungen der Umweltbilanz in der Produktion sind vor allem auf höhere Einzeltierleistungen zurück zu führen.

Verlagerung der Milchproduktion vom Grünland auf den Acker
Mit steigenden Einzeltierleistungen erfolgte eine Verlagerung der Futtermittelproduktion vom Grünland auf den Acker. Die je Liter Milch genutzte Grünlandfläche sank um fast die Hälfte, während sich der Ackerflächenbedarf für die Milcherzeugung im Inland um etwa ein Drittel und für Importfuttermittel sogar um über 120 % erhöht hat. Diese Verlagerung ist aus Umweltsicht kritisch zu bewerten: zum einen werden ökologisch hochwertige Grünlandflächen in Ackerland umgewandelt, was sich negativ auf die heimische Artenvielfalt, den Wasserhaushalt und den Bodenschutz auswirkt. Zum anderen kann es durch die zunehmende Nachfrage nach Ackerland zu Landnutzungsänderungen in den Soja-Produktionsregionen (insbesondere Lateinamerika) kommen; mit bedeutenden negativen ökologischen Folgewirkungen für dortige natürliche Ökosysteme. Ferner kommt es durch Landnutzungsänderungen zu zusätzlichen Treibhausgasemissionen, die die Einsparungen durch verbesserte Einzeltierleistungen aufwiegen oder sogar übersteigen können. Außerdem ist der Weidegang von Milchkühen im Zuge immer größer werdender Herden und immer höherer Leistungsniveaus deutlich zurückgegangen.

Relevanz der Anlieferentfernung
Die Lieferentfernungen zwischen Milcherzeugern und Verarbeitern haben entgegen landläufiger Annahmen nur eine geringe Bedeutung für die Umweltbilanz von Milch- und Milcherzeugnissen. Ob Milch lokal oder überregional verarbeitet wird, ändert die Umweltbilanz nur um wenige Prozentpunkte (unter 5 % in der Treibhausgasbilanz).

Anteil der Milchverarbeitung an der Gesamtumweltbilanz
Die Milchverarbeitung trägt bei typischen Produktionsverfahren je nach Milchprodukt etwa 5 - 25 % zu den Treibhausgasemissionen und 15 - 40 % zum Primärenergiebedarf je Kilogramm Produkt bei (dabei liegt Trinkmilch im unteren Bereich des Ergebnisspektrums, während Joghurt, Schnittkäse und Trockenmilcherzeugnisse im mittleren bis oberen Bereich des Ergebnisspektrums liegen). Für die übrigen Umweltwirkungen (eutrophierende und versauernde Emissionen, Flächenbedarf) ist die Milchverarbeitung kaum von Bedeutung.

Einsparpotenziale in den Molkereien
Strom- und Wärmebereitstellung sowie Strom- und Wärmebedarf sind die wichtigsten Stellgrößen für die Optimierung der Treibhausgasbilanz und des Energiebedarfs in Molkereien. Handlungsoptionen bestehen u. a. in der Wahl des Brennstoffs, der Installation effizienter Energieerzeugungs- und verteilungsanlagen und der Erschließung der produktlinien- und prozessspezifischen Energieeffizienzpotenziale (z. B. durch optimale Wärmerückgewinnung bei der Pasteurisierung). Würde man bspw. eine mit fossilen Kraftstoffen betriebene Energieerzeugungsanlage durch eine wärmegeführte, mit Holzhackschnitzeln betriebene KWK-Anlage substituieren, können die mit der Wärmebereitstellung verbundenen Treibhausgasemissionen um bis zu 95 % reduziert werden.

Milchverluste entlang der Wertschöpfungskette
Da die Erzeugung von Milch mit hohen Umweltlasten verbunden ist, verschlechtern Milch- und Produktverluste entlang der Wertschöpfungskette die Umweltbilanzen der konsumierten Produkte deutlich. Die höchsten Verluste entstehen beim Endkunden, gefolgt vom Einzelhandel.

Hohe Relevanz der Distribution für die Gesamtumweltbilanz in den Kategorien Primärenergiebedarf und Treibhauseffekt
Die Distribution der Milchprodukte ist zwar nicht ganz so relevant wie die Milchverarbeitung, aber immer noch deutlich relevanter für die Umweltbilanz von Milchprodukten als die Anlieferung. Hohe Einsparpotenziale bestehen vor allem bei der Kühlung im Einzelhandel.

Hohe Relevanz des Verbraucherverhaltens
Verbraucher haben vor allem mit ihrem Einkaufsverhalten hohen Einfluss auf die Umweltbilanz der von ihnen konsumierten Produkte. Eine Fahrt mit dem PKW nur für einen Liter Milch kann die Treibhausgasbilanz um mehr als 50 % verschlechtern. Wird außerdem nur ein Teil der Milch wirklich konsumiert und ein Teil verdirbt, verschlechtert sich die Bilanz noch einmal um den Anteil verdorbener Milchprodukte.
IFEU/MIV