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Pressemitteilung

Nachhaltigkeit und Verantwortung in der Milcherzeugung: Mehr Fakten, mehr Transparenz, mehr Dialog.

6. Oktober 2014

Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen e. V. stellt Ergebnisse des Projekts „Nachhaltige Milcherzeugung in Niedersachsen“ vor und zeigt erste Ansätze für eine verantwortungsvolle und nachhaltige Weiterentwicklung der Milcherzeugung auf.

Hannover. Die Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen e. V. (LVN) hat 2011 das Projekt „Nachhaltige Milcherzeugung in Niedersachsen“ initiiert und gemeinsam mit dem Thünen-Institut für Betriebswirtschaft und der Agentur Land und Markt durchgeführt. Mit der heute veröffentlichten Studie, die auf den Befragungsergebnissen von 750 Landwirten basiert, wird erstmals eine breit angelegte Status-quo-Analyse ausgewählter Nachhaltigkeitsaspekte in milcherzeugenden Betrieben vorgelegt. Eine Broschüre zeigt die verschiedenen Facetten von Nachhaltigkeit auf und stellt zentrale Studienergebnisse anschaulich dar. Sie wird in den nächsten Wochen an alle niedersächsischen Milcherzeuger verschickt. „Wir möchten vermitteln, dass eine am Prinzip der Nachhaltigkeit orientierte Milcherzeugung viel mehr als nur Umweltfreundlichkeit bedeutet“, so Jan Heusmann, Vorstand der LVN und selbst Milcherzeuger. „Es geht darum, ökologische, tierethische, soziale und auch ökonomische Aspekte möglichst gleichermaßen zu berücksichtigten. Für die Landwirtsfamilien ist das durchaus ein Nachhaltigkeitsspagat.“

 

Fakten in der Praxis erheben

Wir haben den sogenannten Basisfragebogen zur Erfassung ausgewählter Nachhaltigkeitsaspekte und die dafür relevanten Indikatoren in einer intensiven Diskussion mit der Praxis entwickelt“, so Prof. Dr. Hiltrud Nieberg, Leiterin des Thünen-Instituts für Betriebswirtschaft. „Die Ergebnisse zeichnen ein erstes Bild davon, wo die niedersächsische Milcherzeugung in Bezug auf bestimmte Nachhaltigkeitsaspekte derzeit steht.“ Deutlich wird, dass es „den“ niedersächsischen Milchviehbetrieb nicht gibt. Die Ergebnisse variieren zwischen den Betrieben teilweise erheblich und zeigen die Leistungen der Betriebe als auch Verbesserungspotential auf.

 

Wissen wo wir stehen

Dass bereits 91 Prozent der niedersächsischen Milchkühe in einem modernen Boxenlaufstall stehen, 88 Prozent der Betriebe energiesparende Techniken bei der Milchkühlung einsetzen oder die ganz überwiegende Mehrheit der Milcherzeuger auch als Landschaftspfleger tätig ist, hat uns angenehm überrascht“, so Jan Heusmann zu den Ergebnissen. „Das sind für viele von uns selbstverständliche Leistungen, die wir aber nicht nur für unsere Betriebe, sondern auch für die Gesellschaft erbringen.“ Niedersächsische Milchviehbetriebe sind auch im Ehrenamt stark: 69 Prozent der befragten Familien sind in Ehrenämtern außerhalb und innerhalb der Landwirtschaft tätig. „Bemerkenswert ist auch die mit 9 Prozent vergleichsweise hohe Ausbildungsquote in den befragten Milchviehbetrieben, die deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 5,6 % liegt“, hebt Herbert Heyen, ebenfalls Vorstand der LVN und Milcherzeuger, hervor. „Durch den Strukturwandel in der Landwirtschaft werden zunehmend qualifizierte Arbeitskräfte zusätzlich zu den Familienarbeitskräften gebraucht. Den Arbeitskräftebedarf durch Ausbildung abzusichern leisten die Betriebe einen wichtigen Beitrag.“

 

Wie es weiter geht

Die von der LVN eingerichtete Arbeitsgruppe „Nachhaltige Milcherzeugung“ wird fortgeführt, da die gemeinsame Arbeit von allen Beteiligten als sehr fruchtbar bewertet wird. So soll die Zusammenarbeit mit weiteren relevanten Akteuren wie der landwirtschaftlichen Beratung ausgebaut werden, um eine bestmögliche Vernetzung aller Beteiligten zum Thema zu gewährleisten.

 

Basierend auf den Ergebnissen der Status-quo-Analyse gilt es nun, Ziele zu bestimmten Nachhaltigkeitsaspekten zu formulieren und branchen- bzw. molkereibezogene Lösungsansätze für deren Umsetzung zu entwickeln. Workshops für Landwirte zur Optimierung der Tiergesundheit in Milchviehherden oder gezielte Beratungsangebote für ein verbessertes Nährstoffmanagement sind Beispiele, in welche Richtung es in der niedersächsischen Milchwirtschaft weitergehen könnte.

 

Impulse für die Branche gesetzt

Der in Niedersachsen erstmals eingesetzte und inzwischen weiterentwickelte Fragebogen wird zurzeit in einer Schleswig-Holstein weiten Befragung des Thünen-Instituts angewandt. Die aus ihr resultierenden Daten werden das Bild des Status-quo von ausgewählten Nachhaltigkeitsaspekten in der landwirtschaftlichen Praxis noch erweitern. Unabhängig davon wird der Fragebogen bereits von einzelnen Molkereien zur Durchführung eigener Lieferantenbefragungen eingesetzt. „Wir freuen uns, dass unser Nachhaltigkeitsprojekt auf eine so positive Resonanz stößt und auch in anderen Regionen Impulse für eine konkrete Umsetzung des Nachhaltigkeitsthemas in der Milcherzeugung setzt“, resümiert Herbert Heyen.

 

Die Broschüre

Die Broschüre „Nachhaltigkeit und Verantwortung in der Milcherzeugung: Fakten und Wissenswertes aus dem Milchland Niedersachsen“ kann bei der LVN bestellt werden: lv.nds@milchwirtschaft.de

 

Die Studie

Die Studie „Status-quo-Analyse ausgewählter Nachhaltigkeitsaspekte der Milcherzeugung in Niedersachsen“ ist auf der Website des Thünen-Instituts abrufbar: http://www.ti.bund.de/de/startseite/thuenen-publikationen/thuenen-working-paper/thuenen-working-papers-2014.html