Nachhaltige Milchwirtschaft

Nachhaltige Entwicklung in der Milchwirtschaft

"Entwicklung zukunftsfähig zu machen heißt, dass die gegenwärtige Generation ihre Bedürfnisse befriedigt, ohne die Fähigkeit der zukünftigen Generation zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse befriedigen zu können."

Diese wohl bekannteste und sehr treffende Definition für den Begriff der Nachhaltigen Entwicklung hat die ehemalige norwegische Ministerpräsidentin und Vorsitzende der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung der Vereinten Nationen, Gro Harlem Brundtland, geprägt. Das Leitbild der Nachhaltigen Entwicklung stellte die Kommission in ihrem Abschlussbericht (Brundtland-Bericht) im April 1987 vor. Seitdem kennzeichnet es die Entwicklungs- und Umweltpolitik auf der ganzen Welt.

Nach dieser Erklärung sollen…
… die Grundbedürfnisse aller Menschen sowohl Heute als auch in Zukunft ausreichend gestillt werden können. Darunter fallen gesunde Nahrungsmittel, sauberes Trinkwasser und soziale Ordnung.

... moderne Technik und politische Entscheidungen bestimmte Grenzen nicht überschreiten.

… Unternehmen, Verbände und Vereine ihre Ziele so definieren, dass sie für eine dauerhafte, zukunftsfähige Entwicklung sorgen, nicht nur im wirtschaftlichen Sinn. Dabei ist der Blick über die eigene Organisation und Nation hinaus wichtig.

Was heißt das für die Milchwirtschaft?

Milch und Milchprodukte sind ein wichtiger Teil der menschlichen Ernährung. Auf die Produktkette der Milch bezogen, bedeutet Nachhaltigkeit, dass unsere Produkte

  • so wenig natürliche Ressourcen, wie Wasser und Rohstoffe, verbrauchen, wie möglich,
  • unter fairen Arbeitsbedingungen produziert und verarbeitet werden,
  • einen finanziellen Anreiz für Milcherzeuger und -verarbeiter bieten,
  • und zu einer gesunden Ernährung beitragen.

Dazu können Milcherzeuger, Milchverarbeiter und auch Verbraucher beitragen.

Vier Säulen für die Zukunft

Nachhaltig handeln zu wollen heißt in viele Richtungen zu denken. Um das zu verdeutlichen, haben wir die Darstellung eines Vier-Säulen-Modells für Nachhaltigkeit gewählt.

Darin wird der Grundsatz der Nachhaltigen Entwicklung deutlich: Ziele der Ökologie, des Tierwohls sowie des sozialen Miteinanders stehen gleichberechtigt neben Zielen des wirtschaftlichen Erfolges. Auf lange Sicht ist das eine nicht ohne das andere erreichbar.

 

Klimawandel, Rohstoffknappheit und verringerte Artenvielfalt sind nur drei der Probleme, die das Wirtschaften unter Umweltgesichtspunkten einschränken. Auch die Milchwirtschaft muss sich mit den Umweltfolgen ihrer Produktionsweise auseinandersetzen.

Die nachfolgenden Generationen in den landwirtschaftlichen und milchwirtschaftlichen Betrieben brauchen zukunftsfähige Unternehmen. Dazu gehört es vor allem, die natürlichen Ressourcen zu schonen und den Energie- und Wasserverbrauch zu reduzieren.

Tierwohl

Im Mittelpunkt der Milcherzeugung steht die Kuh. Um den tiereigenen Bedürfnissen Rechnung zu tragen, betrachten wir ethische Aspekte als eigenständigen Nachhaltigkeitsbereich. Dabei orientieren wir uns an den „5 Freiheiten“, die das Farm Animal Welfare Council (heute Farm Animal Welfare Advisory Committee) bereits 1965 als Anforderung an die Haltung landwirtschaftlicher Nutztiere formuliert hat. Die Haltungsbedingungen sollen gewährleisten:

  • Freiheit von Hunger und Durst
  • Freiheit von ungeeigneter Unterbringung
  • Freiheit von Schmerzen, Verletzungen und Krankheit
  • Freiheit zur Ausübung des arteigenen Verhaltens
  • Freiheit von Angst und seelischer Belastung

Dem Wohlbefinden der Kühe kommt in der Milchviehhaltung eine zentrale Rolle zu. Wohlbefinden gilt als wichtige Voraussetzung für Gesundheit und diese wiederum als Grundlage für die Leistungsfähigkeit der Tiere. Die Herausforderung für jeden Milcherzeuger besteht darin, die Anforderungen an eine tiergerechte Haltung bestmöglich zu erfüllen und gleichzeitig eine wirtschaftlich erfolgreiche Milcherzeugung zu betreiben, die dem Landwirt und seiner Familie ein angemessenes Einkommen und eine sozial verträgliche Arbeitsbelastung gewährt.

Soziales

Die "Corporate Social Responsibility", zu Deutsch die unternehmerische Verantwortung für die Gesellschaft, ist seit den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts im Leitbild vieler Unternehmen verankert. "Sozial", das kann vieles sein: faire Arbeitsbedingungen und Löhne, Chancengleichheit und Gleichberechtigung, Weiterbildungsangebote und betriebliche Gesundheitsprogramme, intensive Lieferantenbetreuung, etc.

Vor allem der demografische Wandel macht es notwendig, Fachkräften optimale Bedingungen zu bieten. Nicht nur Molkereien, sondern auch die Milchviehbetriebe  betrifft die soziale Dimension der Nachhaltigkeit. Arbeits- und Hilfskräfte müssen auch hier gute Arbeitsbedingungen vorfinden. Hochentwickelte Betriebe mit moderner Technik müssen in Zukunft  Anreize für qualifiziertes Personal schaffen.

Ökonomie

Kein Unternehmen wird den wirtschaftlichen Aspekt seiner Zukunftspläne vernachlässigen. Im Gegenteil: Umsatz und Gewinn sind nach wie vor die Anker einer jeden Unternehmensentwicklung. Auch nachhaltig entwickeln bedeutet wirtschaftlich zu handeln. Ohne die nötige finanzielle Ausstattung wären einige soziale und ökologische Maßnahmen, vor allem Neuanschaffungen oder Umbauten, gar nicht realisierbar. Umgekehrt sparen Betriebe durch zahlreiche Maßnahmen im Umwelt- und Sozialbereich bares Geld, zum Beispiel wenn Anlagen weniger Energie verbrauchen, Mitarbeiter zufriedener und somit produktiver sind oder wenn weniger Verpackungsmaterial verwendet wird.