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Neues Thünen Konzept: Risikoinstrumente in der Landwirtschaft

16. Juni 2017

Das Thünen-Institut hat ein neues Konzept veröffentlicht, in dem es um die systematische Zusammenstellung und Bewertung ausgewählter Risikomanagementinstrumente in der Landwirtschaft geht. Der Bericht legt den Fokus auf außerbetriebliche Risikomanagementinstrumente, die in Deutschland bisher nur wenig verbreitet sind oder deren Ausgestaltung derzeit intensiv diskutiert wird. Das Konzept betrachtete insgesamt 14 verschiedene Risikomanagementinstrumente, davon fünf aus dem Bereich der Milchwirtschaft.

Neben den klassischen Milchlieferverträgen als Instrument zur Absatzabsicherung untersuchte das Projekt folgende weitere Instrumente: Das Instrument der Warenterminbörse für Milchprodukte ist eine Indexversicherung, die das Preisrisiko absichert. Die Grundlage bildet ein „Börsenmilchwert", der sich aus den Preisen für Butter und Magermilchpulver berechnet. Der direkte Kontakt der Marktpartner untereinander mache Warenterminmärkte zu einem effektiven und effizienten Instrument zur Preisabsicherung, heißt es in dem Bericht.

Als problematisch sehen Experten an, dass der European Energy Exchange (EEX) in Leipzig bisher nur mit verarbeiteten Milchprodukten handelt. Dieser Vorgang begünstigt Milchverarbeiter gegenüber Milcherzeugern. Beim hypothetisch (staatlich gefördertem) Instrument zur Preisabsicherung liegen zur Preisabsicherung durchschnittliche nationale Milchpreise zugrunde. Der Landwirt kann dabei eine Untergrenze für einen nationalen Milchpreis absichern. Sinkt der monatliche Durchschnittspreis für Milch unter das abgesicherte Preisniveau, wird den Teilnehmern die Differenz zwischen beobachtetem und abgesichertem Preis für die abgesicherte Menge ausbezahlt. Die Effektivität dieses Risikomanagementinstruments hängt vom Zusammenhang des übergeordneten Milchpreises und dem individuellen Milchauszahlungspreis des Teilnehmers ab. Bei der Margenabsicherung sichert sich der Bauer für die Differenz zwischen Milchpreis und Futterkosten ab. Dabei berücksichtigt das Instrument auch Preisschwankungen wichtiger Kostenkomponenten. Im Vergleich zur reinen Milchpreisab-sicherung hat das Instrument der Margenabsicherung vor allem dann Vorteile, wenn die berücksichtigten Kostenkomponenten bedeutend sind und signifikant schwanken.
Der Bericht macht deutlich, dass es in der Landwirtschaft bereits eine Vielzahl an Instrumenten zur Verbesserung des Risikomanagements mit unterschiedlichsten Kombinationen von Ansatzstelle und Art der Absicherung gibt. Ein erfolgreiches und effizientes Risikomanagement müsse nach Meinung der Autoren einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen. Ein stärkeres staatliches Engagement in diesem Bereich könne daher in der EU nicht losgelöst vom Direktzahlungssystem betrachtet werden.
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VDM/LVN