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Marktanalyse: Wieviel Biomilch braucht Deutschland?

10. Februar 2017

Durch die hohen Preise für Biomilch hat das Interesse an der Umstellung der Produktion spürbar zugenommen. Der agrarmanager hat sich den Markt genauer angeschaut. Das ist zu erwarten.
Die Produktion von Biomilch in Deutschland ist in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen. 2015 lag die Anlieferungsmenge bei etwa 732.000 t. Das waren rund 3,4 % mehr als im Jahr zuvor.

Marktexperte Dr. Olaf Zinke vom agrarmanager hat sich den Markt für Biomilch genauer angeschaut. Trotz dieses Wachstums lag der Anteil an Biomilch an der insgesamt in Deutschland erzeugten Milch im Jahr 2015 lediglich bei 2,4 %. Mit der bisher in Deutschland erzeugten Menge können nur knapp drei Viertel des heimischen Bedarfs an Biomilch gedeckt werden. Der Rest kommt überwiegend aus Österreich und Dänemark, wo der Biomilchanteil deutlich größer ist.

Das ist zu erwarten auf dem Markt für Biomilch

  • Das deutsche Produktionswachstum könnte im Jahr 2016 bei knapp 60.000 t liegen und 2017 möglicherweise sogar nochmals bei rund 90.000 t.
  • In Österreich und Dänemark erwarten Analysten für 2017 einen Zuwachs von 100.000 t bzw. 60.000 t. Diese zusätzlichen Mengen dürfen zum größten Teil nach Deutschland fließen. Ob der deutsche Markt allerdings so aufnahmefähig ist, ohne dass die Preise unter Druck geraten, ist keineswegs sicher.
  • Der Absatz für Biomilchprodukte ist zuletzt um 10 % gewachsen. Dies liegt vor allem daran, dass Discounter mehr Biomilch und -produkte listeten und damit die Nachfrage ankurbelten. Bei einem Absatzwachstum von 10 % würde dies einen Mehrbedarf von 100.000 t bedeuten. Das dürfte durch die derzeitige Produktionsdynamik in Deutschland und seinen Nachbarländern deutlich übertroffen werden.
  • Einige Molkereien haben bereits reagiert und neuen Lieferanten keine uneingeschränkte Abnahmezusage mehr gemacht. Andere nehmen bis auf Weiteres keine neuen Lieferanten mehr an.

Biomilchproduktion in Deutschland
In Deutschland konzentrieren sich Produktion und Verarbeitung von Biomilch auf wenige Bundesländer und etwas mehr als 30 Molkereien.

  • Bayern: Rund die Hälfte der deutschen Biomilch wird in Bayern erzeugt. Dort befinden sich auch die meisten Molkereien.
  • Baden-Württemberg: Knapp 16% der Milch kommt aus Baden-Württemberg Hessen/Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen: Hier kommen jeweils 8 bis 9% der Biomilch her.
  • Niedersachsen: Aus dem zweitgrößten deutschen Milcherzeugerland kommen nur gut 6% der deutschen Biomilch.
  • Schleswig-Holstein: Hier kommen gerade mal 3 % unserer Biomilch her.
  • Brandenburg: Mit einem Anteil von gut 4 % ist es der größte ostdeutsche Biomilchlieferant.

Preisentwicklung bei Biomilch
Die Preise für Biomilch lagen in Deutschland im Durchschnitt des Jahres 2015 bei etwa 47,7 ct/kg. 2016 bewegten sie sich zwischen 48,8 und 46,7 ct/kg.
Der Abstand zu den konventionellen Preisen betrug 2015 zwischen 16,5 und 20,6 ct/kg. In diesem Jahr lag die Preisdifferenz (bis einschließlich August) sogar zwischen 20,4 und 24,2 ct/kg.
In den Jahren zuvor gab es für Biomilch jedoch auch schon deutlich niedrigere Prämien. So betrug der Preisabstand zu konventioneller Milch im ersten Halbjahr 2014 beispielsweise nur etwas mehr als 9 ct/kg.

Fazit
Die stabil hohen Preise der letzten beiden Jahre dürften Ausdruck deutlich verbesserter Absatzmöglichkeiten von Biomilch im deutschen Lebensmitteleinzelhandel und einer im Verhältnis zur Produktion deutlich größeren Nachfrage gewesen sein. Diese Entwicklung wird sich jedoch nicht unbegrenzt fortsetzen, sodass sich konventionelle und Biomilchpreise wohl wieder stärker annähern dürften.
Hinweisen möchten wir in diesem Zusammenhang auf den "Tag der Bio-Milch" am 23.2.2017 in Oldenburg. Dort lädt der Bioland Landesverband Niedersachsen/Bremen e.V. konventionell und biologisch wirtschaftende Milcherzeuger und Interessenten aus der Milchwirtschaft ein, sich umfassend über die aktuelle Situation auf dem Bio-Milchmarkt zu informieren.

Agrarheute.com/LVN